Wesel: Geschichte in Szene setzen
VON GERD HEIMING - zuletzt aktualisiert: 29.11.2008Wesel (RPO). Das Preußen-Museum in Wesel besteht heute auf den Tag genau zehn Jahre. Seitdem kamen knapp 200 000 Besucher. 2009 wird das umgestaltete Erdgeschoss eröffnet. Dort soll Historie anschaulich vermittelt werden. Groß-Projekt ist eine Ausstellung zu den Schillschen Offizieren.
Heute auf den Tag genau vor zehn Jahren, als er noch NRW-Ministerpräsident und SPD-Mitglied war, sagte Wolfgang Clement in Wesel: „Das Preußische spielt eine wichtige Rolle bei der Frage, wie wir wurden, was wir sind.“ Dies darzustellen, hat sich das Preußen-Museum zur Aufgabe gemacht, zu dessen Eröffnung Clement am 29. November 1998 sprach. Er wünschte dem Haus, das nach Plänen der Architekten Paul Eling und Fred Störmer im Körnermagazin der Festungszitadelle entstand, „aufmerksame, wissbegierige Besucher“.
Zehn Jahre später ist festzuhalten, dass sich knapp 200 000 Menschen auf die Spuren der Historie begeben haben. Dr. Veit Veltzke, seit dem ersten Tag Leiter des Museums, stellt selbstbewusst fest: „Durch unsere Arbeit in Kooperation mit bedeutenden Häusern in NRW und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin ist es uns gelungen, einen festen Platz in der Darstellung preußischer Geschichte einzunehmen.“ Dazu hätten auch Sonderschauen und Publikationen beigetragen, so Veltzke. Vor allem ist die Napoleon-Ausstellung zu nennen, die 2007 rund 30 000 Besucher lockte und das Haus weithin bekannt machte.
Stiftung
Träger des Museums ist die Stiftung Preußen-Museum NRW mit Häusern an zwei Standorten: Wesel und Minden.
Der Stiftung gehören das Land, die beiden Kreise und Städte Wesel und Minden sowie die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe an.
Der laufenden Finanzierung beider Museen dienen die Zinsen des Stiftungskapitals.
Der Bau des Museums in Wesel kostete 25 Millionen Mark.
Zugpferd Napoleon
An diesen Erfolg will Veltzke im kommenden Jahr anknüpfen. Geplant sind große Projekte zu zwei runden Gedenktagen: Vor 200 Jahren wurden in Wesel die Schillschen Offiziere erschossen, und vor 400 Jahren fasste Brandenburg-Preußen zum ersten Mal Fuß im Rheinland und in Westfalen.
Bereits im kommenden Februar soll das Erdgeschoss des Museums neu eröffnet werden. Derzeit finden Umbauarbeiten statt, die schon einen Eindruck davon geben, dass es künftig mehr Inszenierungen geben wird. Um Geschichte anhand des Lebensumfeldes der Menschen authentisch zu vermitteln, richten die Museumsmacher Räume ein, darunter eine Schule, ein preußisches Amt, eine bürgerliche Stube um 1860 und eine katholische Hauskapelle. „Wir folgen damit dem Trend, Geschichte anschaulich zu machen , um den Zugang zu erleichtern“, sagt Veltzke. Dazu werden zeitgenössische Exponate eingesetzt, die als Leihgaben und Geschenke ins Haus gekommen sind oder gekauft wurden. All das geschieht unter dem Generaltitel „Im Westen viel Neues – als NRW preußisch war“. Passend dazu soll es ab Mai erstmals Audioguides im Museum geben, die den Besuchern wahlweise auf Deutsch, Niederländisch oder Englisch Erläuterungen direkt ins Ohr geben.
Königliche Brieftasche
Zum Thema Schill (geplant ab 20. September 2009) will Veltzke in Kooperation mit dem Städtischen Museum und dem Stadtarchiv seltene Objekte zeigen. Dazu gehören die letzte erhaltene Husarenjacke eines Schillschen Offiziers, eine Brieftasche, die Königin Luise samt persönlicher Widmung an Schill übergab und Kleidungsstücke von König Friedrich Wilhelm III.
Das sind Beiträge, damit weiterhin verwirklicht werden kann, was Clement vor zehn Jahren wünschte: das Weseler Museum möge „zu einem der zentralen Lernorte unserer Landesgeschichte werden“.
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