Wesel: Geschichte zum Anfassen
VON INES KLEPKA - zuletzt aktualisiert: 13.09.2010Wesel (RPO). Tag des offenen Denkmals: Ausflügler, Spaziergänger und Radler machten sich gestern in der Hansestadt auf den Weg zu den historischen Schätzen: Manches Schmuckstück erwartete sie – auf Schienen oder am Schloss Diersfordt.
Denkmäler zum Anfassen gab es gestern in der Hansestadt: Unter dem Motto "Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr" startete der Tag des offenen Denkmals. Gut passte da die Vorstellung eines frisch renovierten Güterwaggons beim Historischen Schienenverkehr Wesel ins Programm. Auf dem neuen Gelände des Vereins, zwischen Flugplatz und Rheinpromenade, erwartete die Schaulustigen gestern mobile Geschichte – live und in Farbe.
In den vergangenen neun Monaten hatten Jugendliche des CJD den G10-Wagen von Grund auf mit viel Liebe und Muskelkraft in Stand gesetzt. Nun ergänzt er den durchaus stattlichen Fuhrpark der Eisenbahner. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp stellte das "Schmuckstück" vor – und erinnerte an die glorreichen Zeiten des Schienenverkehrs in Wesel, als die Boxteler Bahn den Rhein querte.
Historische Zeitungen
Zeitzeugen waren im Eiskeller auch die historischen Zeitungen: Der General-Anzeiger Wesel titelte am 23. Dezember 1928 "Schloss Diersfordt brennt". "Schon interessant, was früher geschrieben – und gelesen – wurde", so Tyrolf.
Wolle per Hand verarbeitet
Rund 120 000 Wagen wurden von dieser Bauart bis 1927 hergestellt. Doch nur noch wenige Ausgaben des G10 sind heute erhalten – einer steht nun wieder wie neu in Wesel. Und die Arbeit hat sich gelohnt: Groß und Klein bestaunten gestern den Waggon und die Ausstellung im Inneren. "Die Eisenbahn übt nach wie vor eine große Faszination auf Kinder wie auf Erwachsene aus", erklärte Nobert Kirsch vom Historischen Schienenverkehr. "Darum ist der Tag des offenen Denkmals für uns auch immer eine schöne Gelegenheit, unsere mobilen Denkmäler zu zeigen."
Die Gelegenheit, Geschichte hautnah zu erleben, gab es auch im Willibrordi-Dom und in Diersfordt: Im Eiskeller wartete ein bebilderter Überblick zur langen Historie der Herrlichkeit auf die Besucher.
"Die Menschen kommen nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern von der anderen Rheinseite, aus dem Münsterland oder dem Ruhrgebiet, um Eiskeller, Schloss und Kirche zu besichtigen. Diersfordt hat sich mittlerweile einen Namen gemacht", berichtete Anneliese Tyrolf, Vorsitzende des Heimatvereins der Herrlichkeit Diersfordt. "Der Tag des Denkmals ist immer mit viel Arbeit für uns verbunden. Aber er ist auch wirklich eine gute Werbung."
Ein besonderes Highlight war der Auftritt der fünf Spinnerinnen aus Voerde: Sie gaben für interessierte Ausflüglern, die bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen in den alten Gemäuern verweilten, eine kurze Einführung in das gute alte Handwerk der Wollverarbeitung.
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