Wesel: Gottesdienste gehen mit der Zeit
VON JULIA NAKÖTTER - zuletzt aktualisiert: 08.09.2011Wesel (RP). Neue Bezirke, weniger Personal: Der Sparkurs der Evangelischen Kirchengemeinde Wesel zeigt Wirkung. Ab Advent gelten sonntags neue Gottesdienstzeiten in der Stadt – mit Folgen für das Dom-Glockenspiel.
Die Evangelische Kirchengemeinde Wesel hat nach dem Abschied von Pfarrer Klaus Vogel zuletzt ihre Bezirke neu eingeteilt – nun folgt die nächste Änderung. Mit Beginn des neuen Kirchenjahres zum 1. Advent (27. November) gelten sonntags neue Gottesdienstzeiten in den vier Kirchtürmen der Stadt sowie in der Kapelle des Evangelischen Krankenhauses.
"Die Änderung ist außergewöhnlich", erläutert Dom-Pfarrerin Martina Biebersdorf. Schließlich seien vier Gottesdienste jahrzehntelang parallel um 10 Uhr gefeiert worden. "Und dennoch bleibt der Sonntag der Tag des Herrn. Wir bieten nun eine größere Bandbreite an Zeiten an."
Die neuen Zeiten
Ab 27. November wird sonntags im Willibrordi-Dom und in der Kirche am Lauerhaas um 11 Uhr Gottesdienst gefeiert.
In der Gnaden- und Friedenskirche sowie im Evangelischen Krankenhaus kommen die Gläubigen um 9.30 Uhr zusammen.
Der Willibrordi-Dom und die Kirche am Lauerhaas rücken dazu auf 11 Uhr – was für das Glockenspiel auf dem Dach des Doms eine Umstellung bedeutet. "Am Vormittag erklingt es eine Stunde später als gewohnt, also um 10.59 und um 12.59 Uhr", sagt Biebersdorf.
Probephase bis Sommer 2013
Auch Konzerte und Ausstellungseröffnungen im Dom müssen sich zeitlich neu orientieren. "Die Maikirmes ist sonntags ebenfalls betroffen. Die Fahrgeschäfte haben dann pausiert und nach dem Gottesdienst ihren Betrieb wieder aufgenommen", berichtet die Dom-Pfarrerin, Wie dies künftig geregelt wird, sei noch offen.
Gründe für die Neuregelung sind der Sparkurs der Evangelischen Kirche im Rheinland und die damit verbundene Umstrukturierung der Bezirke. Präses Thomas Brödenfeld: "Mit weniger Personal müssen wir an allen Standorten das Gottesdienst-Angebot aufrechterhalten." Der neue Plan ermöglicht den sieben Seelsorgern nun während der Urlaubszeit zwei Gottesdienste an zwei Orten wahrzunehmen.
Zudem setzten Presbyterium und Pfarrer, die das Konzept rund ein Jahr beraten und diskutiert haben, auf die Flexibilität der Gemeindeglieder. "Sie haben bald die Chance über die neuen Bezirksgrenzen hinaus, am Sonntag Gottesdienst zu feiern", sagt Pfarrerin Biebersdorf. Die jüngsten Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Gläubigen bewusst schauen würden, wann der Gottesdienst gefeiert wird. "Frühaufsteher waren oft im Krankenhaus anzutreffen, weil sie danach noch zu einer Radtour aufgebrochen sind", berichtet Biebersdorf. In der Klinik komme die spätere Uhrzeit (siehe Info) den Patienten zugute. Sie müssten sich beim Frühstück künftig nicht mehr hetzten.
Bis Sommer 2013 ist eine Probephase angesetzt. "Eine Alternative zum Zeit-Modell gibt es allerdings nicht", sagt Brödenfeld. Dennoch werde man die Resonanz auswerten und Wünsche in den Kirchen abfragen. "Jeder Bezirk ist frei, zu besonderen Anlässen die Zeit zu ändern", so der Präses. Ansonsten gilt die neue Regel auch an Feiertagen. "Nur an Heiligabend ändert sich nichts. Dann wird wie gewohnt am Nachmittag gefeiert." Auf den Hinweisschildern am Stadt-Eingang soll die Zeiten zu lesen sein.
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