Schermbeck: Heiske auf Distanz zu Wasmuth
VON GERD HEIMING - zuletzt aktualisiert: 23.10.2008Schermbeck (RPO). Nach dem Rücktritt des FDP-Chefs berichtet Partei-Vize von Unzufriedenheit mit dem Führungsstil des Ex-Vorsitzenden. Plädoyer für ein Team an der Spitze. Namen gibt es nicht – auch keinen Bürgermeister-Kandidaten.
„Wenn er zurückgetreten ist, dann soll es so sein.“ Mit juristischer Nüchternheit kommentierte Thomas Heiske, stellvertretender Vorsitzender der Schernbecker FDP und von Beruf Rechtsanwalt, gestern den Rücktritt von Parteichef Klaus Wasmuth. Er ließ inhaltlich eine klare Distanz zum bisherigen Chef der Schermbecker Liberalen erkennen.
Wasmuth hatte beklagt, eine vertrauensvolle Arbeit im Ortsverband sei nicht mehr möglich und damit auf Heiske angespielt, dem wegen eines Verstoßes gegen das Meldegesetz das Ratsmandat entzogen wurde (RP berichtete). Wasmuths weiterer Vorwurf gegen seinen Stellvertreter: Der habe sein Mandat nicht freiwillig zurückgegeben und damit eine Nachfolge-Regelung in der Fraktion verhindert. Damit blockiere er die Arbeit der Liberalen.
Fünf Prozent zu wenig
Heiskes Überzeugung: „In der heutigen Parteienlandschaft reicht es für die FDP nicht mehr, fünf Prozent der Stimmen zu erreichen, um aus eigener Kraft Politik machen zu können.“
Er habe keine Veranlassung gesehen, sein Mandat sofort abzugeben, entgegnete Heiske. Er habe ein „ruhiges Gewissen“ und lasse die Entscheidung des Rates nun gerichtlich überprüfen. Die von Wasmuth immer wieder betonte Trennung von Mandat und Partei sei zwar „formaljuristisch richtig“, treffe aber inhaltlich nicht zu, so Heiske. „Schließlich bekommt jemand ein Mandat, weil er von seiner Partei nominiert wurde.“ Innerhalb der FDP gab es laut Heiske zuletzt vermehrt Kritik am Führungsstil Wasmuths. „Mitglieder fühlten sich nicht in Entscheidungsprozesse eingebunden“, sagte Heiske. Sein Eindruck sei, dass der Vorsitzende daraus die Konsequenzen gezogen und sein Amt niedergelegt habe. Der Brief, in dem Wasmuth nach eigenem Bekunden den Vorstand über seine Entscheidung unterrichtet hat, sei bei ihm nicht angekommen, bemerkte Heiske.
Er plädierte dafür, Arbeit und Verantwortung innerhalb des Ortsverbandes auf mehrere Schultern zu verteilen. Die Zeit einer einsam agierenden Person an der Spitze sei vorbei – in den Parteien wie in der Wirtschaft. Er stehe bereit, um in einem Team an der FDP-Spitze mitzuwirken, betonte Heiske.
Kurzfristige Entscheidungen
Der Vorstand wolle nun kurzfristig das weitere Vorgehen besprechen. Es werde Nachwahlen zum Vorstand geben, außerdem müssten die Ratskandidaten aufgestellt und die Reserveliste für die Kommunalwahl im nächsten Jahr beschlossen werden. Womöglich werde es dazu zwei getrennte Partei-Versammlungen geben, sagte Heiske. Zur Frage, ob die FDP einen Bürgermeister-Kandidaten aufstellen wird, wollte er sich nicht äußern. „Darüber sollen alle FDP-Mitglieder und sonstige Interessierte diskutieren und dann gemeinsam entscheiden“, erklärte Heiske.
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