Wesel: Hexe Lilli kämpft am Aaper Weg
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 10.10.2006Wesel (RPO). Wohnen im grünen Winkel oder Zersiedelung ? An mehreren Stellen regt sich Protest von Anwohnern gegen Baupläne in der Nachbarschaft. Kinderbuchautor Knister schickt Helden vor. Andere berufen sich auf Satzungen.
Der Traum vom eigenen Häuschen, möglichst im Grünen, hat seinen Preis. Denn meist muss erst etwas Grün weichen, damit gebaut werden kann. Das regt naturgemäß besonders jene auf, die aus ihrem Fenster schon den Blick ins Freie genießen. Der Konflikt ist klassisch, aber selten so deutlich wie bei einigen Dingen, die am Mittwoch, 18. Oktober, im Ausschuss für Stadtentwicklung auf den Tisch kommen.
Beispiel Aaper Weg: Jeweils einen Daumen dick sind die Vorlagen der Verwaltung zum Bebauungsplan und zum Flächennutzungsplan. Das liegt am umfangreichen Umweltbericht, der beiden angeheftet sein muss. Aber auch an den zahlreichen Schreiben der protestierenden Anwohner. Darunter sind viele mit gewichtigem Namen.
„Großer Fernsehrummel“
Einer ist Knister, der Kinderbuchautor Ludger Jochmann. Schon im Mai 2005 schickte er in einem „letzten Hilferuf“ seine Heldin, die Hexe Lilli an die Front. Mit dem Drachen von Tabaluga, Räuber Hotzenplotz und dem Hasen Felix werde sie „gegen die Macht der Politiker kämpfen“. Die „Zukunftsinteressen der Kinder“ führt Knister ins Feld und droht „großen Fernsehrummel“ an.
Die ursprünglichen Pläne sind heute um etwa ein Viertel abgespeckt. Denn „unverständlicherweise“, so Fachbereichsleiter Michael Klessa, wolle sich nicht jeder Grundeigentümer an der Umwandlung von landwirtschaftlicher Fläche beteiligen. Von dem Bodenmanagement profitiere man doch teilweise durch Bauland. Andererseits werde die verbleibende Natur sehr aufgewertet. Klessa: „Wir wollen den Grünzug erhalten.“
Zur Diskussion stehen jetzt jedenfalls Vorhaben an drei Stellen: Die Stadt will auf eigenem Grund Platz für zehn bis zwölf Häuser am Aaper Weg vorsehen; private Grundstücke sind für zehn Einheiten an der Straße In der Luft überplant; weitere vier Parzellen gäbe es an der Brunnenstraße.
Finger weg vom heißen Eisen
Beispiel Mühlenweg: Das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans soll laut Verwaltung „nicht weitergeführt werden“. Heißt im Klartext: Finger weg vom heißen Eisen. Bekanntlich hatten sich die Anwohner den ganzen Sommer hindurch im so genannten Zaunstreit nicht einigen können, Politik und Verwaltung reichlich beschäftigt. Hintergrund auch hier: Baupläne des Nachbarn Norbert Ackermann. Der wird auch bauen dürfen. Die Frage ist nur, was er mit der alten Satzung errichten kann, die Flachdächer vorschreibt. Eine Neigung müsste laut Klessa „deutlich unter 15 Grad“ bleiben.
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