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Wesel: Holland statt Spanien

VON MICHAEL ELSING - zuletzt aktualisiert: 23.04.2009

Wesel (RPO). Reisen in Zeiten der Wirtschaftskrise: Die Reisebüros im Kreisgebiet registrieren bei Familien eine deutliche Zurückhaltung. Der klassische Familienurlaub wird kürzer oder fällt ganz weg. Zum Baden geht's in die Niederlande.

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Urlaub in Deutschland

Die Zahl der Übernachtungen im eigenen Land stieg im Jahr 2008 um zwei Prozent. Auch die Zahl der ausländischen Gäste stieg auf über 56 Millionen. Gründe: das gute Preis-Leistungsverhältnis und die hohe Service-Qualität.

Wesel/ Hamminkeln Es gibt mittlerweile kaum eine Branche, die nicht unter der weltweiten Wirtschaftskrise zu leiden hat. Das macht die Menschen im Kreisgebiet vorsichtig. Sie drehen den Cent lieber zwei Mal um, bevor sie ihn ausgeben. Diese Denkweise hat nun auch eine Sparte erreicht, die den Deutschen bis dato heilig war – das Reisen. Bisher waren sie auf diesem Gebiet Weltmeister, gaben laut einer Studie des Europäischen Tourismus-Instituts (ETI) an der Uni Trier im vergangenen Jahr 61,8 Milliarden Euro für Auslandsreisen aus. Das bedeutete Platz eins innerhalb der Europäischen Union. Doch diese Reisefreudigkeit hat mit Beginn der Krise spürbar nachgelassen.

Deutliche Buchungsrückgänge

"Vor allem Familien mit Kindern tun sich da schwer. Da hat es deutliche Buchungsrückgänge gegeben", sagt Martin Schulte, Geschäftsführer des Apollo-Reisebüros in Wesel, der dennoch nicht unzufrieden mit dem Umsatz ist. Denn die erwähnten Einbußen würden durch Buchungen im Hochpreissegment wieder aufgefangen, wie Martin Schulte festgestellt hat. "Die Schere scheint weiter auseinander zu gehen. Während sich die eine Seite einen Urlaub kaum noch erlauben kann, nimmt die andere Seite richtig Geld dafür in die Hand", so der Reisefachmann.

Ähnliche Beobachtungen hat Sascha Heß, Inhaber der Reisewelt Hamminkeln, gemacht. "Der klassische Familienurlaub wird kürzer oder fällt ganz weg. Es kommen weniger Leute zu uns, doch der Umsatz bleibt gleich", erläutert Heß. Auf das vorsichtige Verhalten der Verbraucher haben die Veranstalter bereits reagiert. Sie halten Kontingente ganz bewusst zurück, weil sie befürchten, auf ihnen sitzen zu bleiben. Denn leere Hotelbetten oder nicht besetzte Plätze im Flugzeug ziehen immense Gebühren nach sich.

Monika Spitzer, Mitarbeiterin von Heike's Reisebüro in Schermbeck, sieht ein schwieriges Jahr auf die Branche zukommen. "Es gibt zwar immer noch reisefreudige Menschen. Aber gerade Familien halten sich auf diesem Gebiet sehr zurück, weil sie nicht wissen, wie sich ihre finanzielle Situation entwickelt", sagt Spitzer.

Wie ihre Kollegen, hat sie den Trend beobachtet, dass sich nicht nur die Reisedauer, sondern auch das Reiseziel verändert hat. Martin Schulte bringt es auf den Punkt. "Statt des dreiwöchigen Badeurlaubs in Spanien, geht's nun stattdessen für eine Woche mit dem Auto nach Holland."

Quelle: RP

 
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