Wesel: "Ich bin stolz, Weseler zu sein"
VON MARTHA AGETHEN - zuletzt aktualisiert: 15.02.2010Wesel (RPO). Gut 1000 Narren in der Weseler Niederrheinhalle bejubelten gestern Herman van Veen, den das Närrische Parlament mit dem 38. Eselorden ehrte. In seiner Gegenrede zur Laudatio stimmte der Poet stille Töne an.
Herman van Veen ist 38. Eselsordenträger von Wesel. Im alemannischen Freiburg, das er noch am Samstag mit einem Konzert erfreut hatte, schlüpfte der Poet, Liedermacher und Sänger gestern Morgen um halb acht aus den Federn, um sich in Windeseile über schneebedeckte, salzfreie Autobahnen ins Land des niederrheinischen Frohsinns und die Hochburg des eseligen Humors aufzumachen. Gerade noch rechtzeitig schaffte er den Hüpfer auf den Eselrücken, was von Publikum und Elferrat mit heftigem "Helau!" und "Bravo!" quittiert wurde. Gerade seine störrische Beharrlichkeit im Eintreten für Kinderrechte hatte van Veen den Orden eingetragen.
Bundesverdienstkreuz
Hermann van Veen ist Träger zahlreicher Auszeichnungen. 1999 wurde ihm wegen seines Beitrages zur deutsch-niederländischen Verständigung das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
Tierische Stadtmusikanten
Ihm vorausgeeilt waren mit Alfred Jodokus Kwak und Theofilius zwei Tiere aus seinem selbst kreierten Trickfilm-Zoo. Kwak, die plüschige Ente, wackelte überlebensgroß und zum Knutschen nett mit ihrem dicken Winterschal durch die Reihen des zum Platzen vollen Saales, in dem die Leute sich schon Stunden vorher die besten Plätze gesichert hatten.
Theofilius, die wollige Eule, schwebte derweil still und philosophisch weise auf ein zweites, bereit gestelltes Grautier aus dem großen Eselstall von Wesel. Die beiden lustigen Vertreter hatten es auch Bürgermeisterin Ulrike Westkamp angetan. Könnten sie doch "als Weseler Stadtmusikanten gemeinsam mit Esel Vesalius Dahlkamp von Stockum, in Stein gemeißelt, vor der neuen Historischen Rathausfassade für weltweites Furore sorgen".
Als Reverenz an den niederländischen Entertainer hatte sie sich, wie ein holländisches Meisje, mit dicken, blonden Zöpfen geschmückt. Im Kreise von Heerscharen an Mariechen, Hexen und Meerjungfrauen hub sie zur Laudatio an und brachte van Veens Leistungen auf den Punkt. "Auf komödiantisch-clowneske Weise regt er zum Nachdenken an und trägt dazu bei, die Welt um uns herum ein klein wenig besser zu machen!" Ergänzend reimte sie: ",Warum bin ich so fröhlich?', heißt Herman van Veens bekanntestes Lied. Es reißt auch die größten Miesepeter mit. Ab sofort wird es zur städtischen Hymne bestimmt. Damit jeder Weseler Tag heiter beginnt."
Der Ordensträger selbst, zunächst noch ein wenig scheu ob der geballten Massenansammlung im Zeichen des Humors, taute ruckzuck nach Erhalt des Ordens auf und begann höflich und fein: "Dames en Heren! Ich bin sehr verehrt, dass ich, ein ehemaliger Holländer, diese schöne Medaille tragen darf! Ich verspreche, unter der Dusche behalte ich es um! Ich bin stolz, ein Weseler zu sein". Seine traditionelle Gegenrede zur Laudatio verwandelte er nach einem Training mit dem Publikum im Erzeugen von knisterndem Regen und donnerndem Gewitter unerwartet in stille Töne. Poetisch sang er aus dem neuen Album "vom Mond, der auf dem Wasser spielt" aus dem völkerverbindenden Niederrhein-Stück "Hier unten am Deich!" So leise hat noch nie eine soeben noch tobende Halle einem Ordenträger gelauscht.
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