Wesel: "Ich lasse mein Herz sprechen"
zuletzt aktualisiert: 17.11.2009Wesel (RPO). Ein Interview mit Eselorden-Träger Herman van Veen (64), für den die närrische Auszeichnung eine "große Ehre" bedeutet und der wegen Kritik an der rechtspolitischen PPV in Holland in die Schlagzeilen geraten ist.
Für den niederländischen Entertainer Herman van Veen (64) wird es eine "große Ehre sein", an Tulpensonntag in der sicherlich prall gefüllten Weseler Niederrheinhalle den närrischen Eselorden in Empfang zu nehmen. Das erklärte der beliebte niederländische Sänger, Komponist und Entertainer jetzt kurz vor seinem Auftritt in der Düsseldorfer Tonhalle im Gespräch mit RP-Redakteur Klaus Nikolei.
Schön, dass das mit dem Interview so kurzfristig geklappt hat, Herr van Veen.
van Veen Gerne. Ich bin der Herman.
Gut, Herman. Von wem hast Du erfahren, dass das Närrische Parlament der Stadt Wesel Dich zum neuen Ehrenordenträger gekürt hat?
van Veen Von Stefan Vogelskamp, dem Mann unserer deutschen Firma in Goch.
Von der Agentur Noah, mit der die Stadt Wesel schon mehrfach zusammengearbeitet hat?
van Veen Richtig. Er hat mir erklärt, dass man sich für den Eselorden nicht schämen sollte, sondern dass das eine Ehre ist und etwas mit Karneval zu tun hat. Und ich vertraue ihm, dass das auch so ist.
Bei der Präsentation des neuen Eselordenträgers wurde ein Bild von Dir mit roter Pappnase gezeigt.
van Veen Das war keine Pappnase, sondern ein Rosenblatt.
Ein Rosenblatt?
van Veen Ich bekam bei einem Aufritt einmal einen Strauß nicht mehr ganz so frischer Rosen. Ein Blatt, das zu Boden fiel, habe ich mir auf die Nase gesetzt. Und das hat dann jemand fotografiert.
Welche Beziehung hast Du zum Karneval?
van Veen Das war 1968. Damals habe ich einen Karnevalsorden in Uden in Brabant bekommen. Es war ein unvergesslich charmanter Abend. Das war mit viel Singen, Lachen und Büttenreden – fantastisch.
So ähnlich ist das auch bei der Eselordenverleihung – nur mittags statt abends. Weißt Du eigentlich, dass Du bei der Verleihung auf einen grauen Pappesel steigen musst?
van Veen Wenn er kräftig genug ist, dann ist das in Ordnung.
Von dem neuen Eselordenträger wird auch eine Rede verlangt.
van Veen Ich bereite mich nicht vor, sondern werde in Wesel einfach mein Herz sprechen lassen.
Du bist ein hochdekorierter Künstler, Träger des Bundesverdienstkreuzes, Dir wurde die Goldene Kamera verliehen. Hast Du zu Hause eine Kammer oder Vitrine für all die Auszeichnungen?
van Veen Links hängt was, rechts liegt etwas. Der Ritterorden beispielsweise liegt bei mir in der Wohnung an einer Stelle, wo man ihn nicht verlieren kann. Ich fühle mich durch die Auszeichnungen geehrt, laufe damit aber nicht herum.
Dein Name war jüngst in den Schlagzeilen, weil Du Dich in Utrecht während einer Gedenkveranstaltung zum Mauerfall kritisch über die holländische Freiheitspartei PPV des rechtspopulistischen Geert Wilders geäußert und hinterher Tausende Hass-Mails bekommen hast.
van Veen Eigentlich möchte ich dazu nichts mehr sagen, weil es ein sehr komplexes Thema ist. Das kann man auf meiner Homepage lesen. Bei der Veranstaltung in Utrecht im Akademiegebäude habe ich meine Geschichte vom Mauerfall erzählt. Ich war schon Anfang der 80er Jahre in der DDR auf Tournee und habe damals davon gesprochen, dass ich gekommen bin, um einen Stein aus der Mauer zu singen. Und drei Wochen vor dem Mauerfall war ich wieder in der DDR und habe während einer Pressekonferenz erklärt, dass die Mauer fallen wird. Bei dem Treffen in Utrecht war eine Ost-Journalistin dabei, die damals Probleme bekommen hatte, weil sie beide Äußerungen von mir schreiben wollte. In der Akademie haben wir über das System gesprochen, was in Holland zu einer großen Aufregung geführt hat. Ich streite für demokratische Prinzipien. Mein Thema ist seit 45 Jahren das Kinderrecht. Und dazu brauchen wir die Demokratie. Das ist alles, was ich dazu sagen will. Demokratie ist das höchste Gut.
Du kommst nicht nur zur Eselordenverleihung nach Wesel, sondern am 22. April auch ins Bühnenhaus. Worauf können sich Besucher dann freuen?
van Veen Die Vorstellung heißt "Im Augenblick". Das ist ein aktuelles Programm, das während des Tages immer noch aktualisierst wird. Ich bin ein Musikant. Ich werde singen, erzählen, es wird gelacht, geweint – das ist Theater. Ich kann so etwas unmöglich vorbereiten. Ich habe schon zu meinen Kindern immer gesagt: Hab' offene Augen, Ohren und eine Nase und weniger einen Plan.
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