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Wesel: Im Zeichen der Freundschaft

VON DANIEL BRODHUHN - zuletzt aktualisiert: 29.03.2010

Wesel (RPO). Die Männer, die im März 1945 als Fallschirmspringer kamen, wurden jetzt im Rathaus als gute Freunde empfangen. Die Akteure der 6. britischen Luftlande-Division von einst kommen gern an den Ort zurück, wo mit der "Operation Varsity" das Ende des II. Weltkrieges seinen Lauf nahm.

Die Luftlandung der Alliierten ist lange her. Die Freundschaft aber, die aus den einstigen Feinden entstand, währt für immer. So lautete der Tenor bei allen Beteiligten, die am Samstagabend an der Gedenkfeier zum 65. Jahrestag der "Operation Varsity" teilnahmen. Die Stadtverwaltung Hamminkeln in Person von Ilona Hübers-Buchmann sowie der Hamminkelner Verkehrsverein mit Chef Stefan Tidden hatten gemeinsam ein umfangreiches und gelungenes Programm auf die Beine gestellt.

Los ging's am Nachmittag auf Reeser Stadtgebiet (siehe Seite C 1). Dem Spektakel folgte das Gedenken: Am frühen Abend leitete ein ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen Kirche den zweiten Teil der Jahresfeier ein. Anschließend zogen die Beteiligten weiter zur Güterstraße am Bahnhof, wo den Gefallenen der 6. British Airborne Division 1995 ein Ehrenmal gesetzt wurde (Bericht unten). Im Anschluss bat Bürgermeister Holger Schlierf die Veteranen und geladenen Gäste zum offiziellen Empfang ins Rathaus.

Info

Dritte Auflage Flagge weitergereicht

Eine schöne Überraschung gab es für den Autoren des längst vergriffenen Werkes "Die Luftlandung", Johann Nitrowski. Denn pünktlich zum Gedenktag an die Luftlande-Operation "Varsity" konnte der Hamminkelner Verkehrsverein (HVV) die gemeinsam mit der Stadt Hamminkeln herausgegebene dritte Auflage der 1997 erschienenen Buchdokumentation präsentieren. Der Preis für das umfangreiche Opus beträgt 49 Euro.

So schön Major Watson die Flagge auch fand, er behielt sie nicht lange. Als Symbol der immerwährenden Freundschaft reichte er sie sogleich an Colonel Hunford, Kommandant der heutigen britischen Fallschirmspringerdivision, weiter. "Es ist toll zu sehen, dass sich auch die jüngere Generation mit den Geschehnissen auseinandersetzt", sagte Colonel Hunford.

Mit offenen Armen empfangen

Es wurden jede Menge Herzlichkeiten ausgetauscht. Major Jack Watson durfte in der ersten Reihe Platz nehmen. Für den mittlerweile 93-jährigen Briten, der damals als Kommandant bei der Luftlandeoperation dabei gewesen war, ist Hamminkeln schon zu einer Art zweiten Heimat geworden. "Jack Watson hat schon immer den Kontakt zum ehemaligen Feindgebiet gesucht und wird auch in Zukunft immer mit offenen Armen empfangen werden", versicherte Bürgermeister Schlierf und ergänzte: "Aus ehemaligen Feinden sind Freunde geworden. Jack Watson müsste eigentlich als Weltdiplomat arbeiten. Er hätte auf diesem Erdball noch eine Menge zu tun."

Major Watson selbst, der mit seiner Tochter Karen zur Gedenkfeier gekommen war, machte trotz seines mittlerweile hohen Alters eine gute Figur. An seinem Auftritt war zu erkennen, dass die Veteranen tatsächlich erneut gerne nach Hamminkeln gekommen waren. "Für mich war die erste Begegnung mit der Bevölkerung Hamminkelns der Beginn einer ganz besonderen Freundschaft. Ich bin so froh, dass wir heute mit unseren Familien wieder hier sein können", sagte Jack Watson.

Ein Kuss vom Veteranen

Ein großer Dank ging an die 17-jährige Medihaje Huriglice. Die Schülerin hatte den Veteranen, die vor zwei Jahren schon einmal zu Gast in der Heinrich-Meyers-Hauptschule waren, den Entwurf einer Friedensflagge vorgelegt. Watson und seine Gefährten waren davon so begeistert, dass sie die Anfertigung dieser Fahne in Auftrag gaben. Am Samstagabend wurde sie nun von Medihaje an Major Watson übergeben. Als Dank gab's ein Küsschen vom Veteranen.

Fotos
Sicher gelandet auf der Ackerfläche bei Speldrop: Bei den einzelnen Sprüngen gab es keine Unfälle. Foto: RPO
An der Gedenkfeier nahmen Angehörige der Gefallenen, britische und amerikanischen Fallschirmspringer und interessierte Hamminkelner teil. Foto: RPO
Beeindruckendes Schauspiel: Die Hercules-Militärmaschine setzte einen Fallschirmspringer nach dem anderen ab. Amerikaner, Deutsche, Engländer und Niederländer wagten den Sprung in die Tiefe. Foto: RPO
Zahlreiche Zuschauer wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Weitere Bilder gibt es im Internet unter www.rp-online.de/emmerich. Foto: RPO
Quelle: RP

 
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