Wesel: Immer ein Hauch von Natur
VON ISABELL HÜLSER - zuletzt aktualisiert: 19.03.2010Wesel (RPO). Das Städtische Museum in Wesel erinnert in der Galerie im Centrum mit einer Retrospektive an das Schaffen der Malerin Erna Suhrborg. Die Künstlerin wäre am 16. März 100 Jahre alt geworden.
Der doppelte Josef Nach 19 Jahren hat Josef Hassel (80) aus Mehrhoog sein Amt als ehrenamtlicher Landschaftswächter an seinen Sohn Josef Hassel jun. (44) übergeben. Sein Vater steht aber bereit, wenn er mal gebraucht wird.
"Ich komme von der Natur her", sagte Erna Suhrborg über ihre künstlerische Arbeit. Andeutungen von Landschaften und Naturimpressionen finden sich in vielen ihrer Bilder, eindeutig in den frühen Gemälden und Zeichnungen oder nur sachte angedeutet im expressionistischen Spätwerk. Das Städtische Museum Wesel erinnert mit einer Retrospektive in der Galerie im Centrum an das Schaffen der Weseler Künstlerin, die am 16. März 100 Jahre alt geworden wäre.
Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt ihrer Arbeiten aus einem Schaffenszeitraum von mehr als 50 Jahren. Der größte Teil der Bilder wurde von Heinz-Dieter und Ernst-Werner Suhrborg, den Söhnen der Künstlerin, als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Das Städtische Museum besitzt vier Arbeiten, von denen drei zu sehen sein werden.
Öffnungszeiten Doppeltes Dutzend
Die Ausstellung "Erna Suhrborg - Eine Retrospektive" wird morgen um 19 Uhr eröffnet und ist bis zum 2. Mai im Städtischen Museum Wesel zu sehen. Di-Fr 10.30-18.30 Uhr, Sa 10-13 Uhr und So 11-17 Uhr. Von Ausstellungen Suhrborgs in der Galerie im Centrum 1981 gibt's Kataloge (1 Euro). Zudem ist ein bebildertes Werksverzeichnis aus 1987 erhältlich (19 Euro).
Josef Hassel (80) aus Mehrhoog ist einer von 24 ehrenamtlichen Landschaftswächtern der Landschaftswacht im Kreis Wesel. Das doppelte Dutzend hat gegen eine kleine Kostenpauschale ein Auge auf die Natur.
Mit Josef Hassel scheiden dieses Jahr zwei weitere Landschaftswächter aus. Sein Josef Sohn (44) hat das Revier offiziell im März übernommen.
Erna Suhrborg wurde als Erna Weidlich 1910 in Uerdingen geboren und wuchs ab 1911 in Amsterdam auf. 1923 zog sie nach Rotterdam, wo sie eine Ausbildung zur Lehrerin im Kunstgewerbe absolvierte. Zwischen 1930 und 1936 unterhielt sie regen Kontakt zur Kunstszene. In Rotterdam lernte sie Dieter Suhrborg kennen, den sie 1937 heiratete. Das Paar kam über Duisburg 1943 nach Wesel.
Die Bombardierung erlebt
Nach den Bombardierungen 1945 kam die Familie zeitweilig auf dem heutigen Neuhollandshof in Bislich unter. Ihre letzten Lebensjahre bis zu ihrem Tod im Januar 1995 verbrachte Suhrborg auf dem Seehof in Bislich. "Meine Mutter hat mit 16 Jahren angefangen zu malen", berichtet Heinz-Dieter Suhrborg. Bis in die 30er Jahre entstanden viele Gemälde und Zeichnungen, von denen eine Auswahl zu sehen ist. Sie sind bereits stark vom Expressionismus geprägt. Stilleben und Natureindrücke, darunter ein Aquarell, das die windumtoste Nordsee bei Hoek in Holland zeigt, oder ein Gemälde mit dem Titel "Angler am Gardasee", geben eindrucksvoll Zeugnis von Suhrborgs Beobachtungsgabe.
Nach der Eheschließung rückten andere Aufgaben in den Vordergrund. Der Ausbruch des Krieges und die Verfolgung expressionistischer Kunst durch die Nationalsozialisten sind weitere Gründe dafür, dass Erna Suhrborg den Pinsel in dieser Zeit ruhen ließ. Erst in den 50er Jahren entdeckte sie die Malerei für sich ganz neu.
Ihre Bilder weisen fortan eine immer stärkere Reduktion auf malerische Grundwerte wie Farben und Formen auf. Suhrborg experimentierte mit unterschiedlichen Materialien, plastischen Elementen, kräftigen deckenden Farbtönen oder lasierenden Erdfarben, wie bei den "Spuren im Watt" von 1978. In Suhrborgs Tuschearbeiten sind wie Landschaften anmutende Formen auf ein Minimum reduziert. Sie faszinieren gerade in ihrer Schlichtheit.
HAMMINKELN Ein Schlafzimmer im Grünen – klingt nicht schlecht. Ärgerlich nur, wenn's sich dabei um kaputte, illegal entsorgte Möbel handelt, die die Natur verschandeln. Gut, dass es im Kreis Wesel ehrenamtliche Landschaftswächter gibt, die sich um solche Vergehen kümmern. Im Bezirk 2 hat das Josef Hassel (80) aus Mehrhoog getan. Sein Reich maß einen Radius von rund zehn Kilometern.
Knapp zwei Jahrzehnte war er im Auftrag der Natur mit seinem Hollandrad in Mehrhoog, Töven, Hamminkeln und im Bislicher Wald unterwegs. "Es war nie ein Muss. Bei schönem Wetter bin ich morgens einfach losgefahren", sagt der 80-Jährige. Drei Stunden, meist zweimal die Woche, dauerten die Erkundungstouren. Auch, weil er öfter für ein "Quätschken" angehalten hat. Geradelt ist er allein. Nur Frau Maria hat ihn mal begleitet.
Müllsünder ermittelt
Das Auto hat er in all den Jahren nie genommen. "In manche Wege kommt man damit eh nicht, da hab ich oft sogar mein Rad abgestellt", erinnert er sich. Gefunden hat er in dieser Zeit leider einiges. Ganze Kücheneinrichtungen bis hin zum Schlafzimmer im Diersfordter Busch. In solchen Fällen hat Josef Hassel das Ordnungsamt angerufen, zu dem er einen kurzen Draht hatte. Das hat sich dann um die Entsorgung gekümmert.
Manchmal gab's Erfolgserlebnisse. Wie im Fall eines Oberhausener Frisörs. Der hatte ganz viele Müllsäcke in der Natur entsorgt, aber seine Rechnung ohne Josef Hassel gemacht. Er hat die Säcke geöffnet, und, siehe da, eine Adresse gefunden. Die Polizei hat den Umweltsünder ausfindig gemacht. Der musste seinen Müll wieder abholen. Eine Strafe gab es gleich dazu. Die Zuständigkeit des Landschaftswächters endet übrigens nicht an der Grundstückgrenze. Mit Ausweis darf er sich Zutritt verschaffen. "Denn die Landschaft muss auch auf Privatgrund in Ordnung sein", sagt Josef Hassel. So wurde auf seine Initiative mal ein Messi-Grundstück von alten Autos geräumt.
Vor 19 Jahren wurde er übrigens vom Ortslandwirt für das Amt vorgeschlagen. Das passte zum "Naturmenschen" Hassel, damals als Maurer gerade im Vorruhestand. Nun ist Schluss. "Ich bin ein echter Glückspilz mit einer guten Frau und vier Kindern", sagt er rückblickend. Das Aufhören fällt ihm nicht schwer. Sein Amt weiß er in guten Händen. Es übernimmt Josef Hassel junior (44), der mit Frau und zwei Töchtern unterm selben Dach lebt. Angelernt werden muss er nicht. "Ich weiß, was in die Natur gehört und was nicht", sagt der 44-Jährige. Der Junior ist allerdings als Lagerleiter und mit der Zucht von Charolais-Rindern gut ausgelastet. Landschaftswächter trotz Full-Time-Job? "Kein Problem. Ich fahre nach der Arbeit gern Rad, das passt schon", sagt Josef Hassel junior. Wenn's doch mal eng wird, so ist's abgemacht, hilft Vater aus. Die "Hassel-Bande" hält zusammen.
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