Wesel: In Zitadelle beginnt Feinarbeit
VON CORNELIA KRSAK - zuletzt aktualisiert: 07.07.2009Wesel (RPO). 200 Jahre nach der Erschießung der Schillschen Offiziere bekommt ihre Gedenkstätte ein neues Gesicht. In der Kasematte sind die staubigen Arbeiten abgeschlossen. Jetzt geht es an die Details für die Präsentation.
50 Jahre nach der Eröffnung der Schill-Kasematte im Haupttorgebäude der Zitadelle wird die Abteilung des Städtischen Museums grundüberholt und modernen Museumsstandards angepasst – pünktlich zum Schill-Jahr. Die baulichen Arbeiten im historischen Gebäude haben im Januar begonnen (RP berichtete) und sind jetzt nahezu abgeschlossen. "Wir liegen voll im Zeitplan", sagt Helmut Roehlvom Fachbereich Stadtkultur.
Rundgang mit Dramaturgie
Als eine der ersten Bauarbeiten wurde im hinteren Bereich der Kasematte ein Durchbruch geschaffen, um die Erschließung der beiden schlauchartig nebeneinanderliegenden Räume künftig in einem Rundgang zu ermöglichen. Die Seiten des neuen Durchgangs wurden bewusst mit Steinen vermauert, die sich optisch von der historischen Wand abheben. "Die nachträgliche Veränderung soll sichtbar bleiben", sagt Roehl. Für die spätere Ausstellung wird dieser Übergang auch dramaturgisch eine ganz besondere Bedeutung haben: Beim Durchschreiten der Wand findet sich der Besucher plötzlich in der Reihe der Schillschen Offiziere wieder und sieht sich dem Erschießungskommando der Franzosen gegenüber, während Gewehrsalven aus dem Lautsprecher tönen.
Authentischer Ort
Die Schill-Kasematte wurde 1959 eröffnet und war Teil eines geplanten Festungs- und Garnisonsmuseums, das nie realisiert wurde.
Die Ausstellung am authentischen Haft-Ort der Schillschen Offiziere vor ihrer Hinrichtung 1809 wurde zuletzt 1984 gestalterisch und inhaltlich überarbeitet.
Der Umbau zum 200. Todestag kostet rund 320 000 Euro.
Um eine gleichmäßige Temperierung der tonnengewölbten Räume zu gewährleisten, wurde eine neue Heizungsanlage eingebaut. "Die Strom-Speicheröfen waren nicht mehr zeitgemäß und reichten für diese Räume nicht aus", erklärt Roehl. Die in Bodennähe angebrachten, röhrenförmigen Heizkörper werden über eine Gastherme erwärmt. Bei der Anlage handelt es sich um eine Spezialanfertigung, die auf die Erfordernisse der Räume abgestimmt wurde. Damit keine Elektroinstallationen den Raumeindruck im denkmalgeschützten Gebäude stören, wurden die Kabel unter dem Fußboden und in Mauerfugen verlegt. Der Holzfußboden wurde abgeschliffen und gestrichen.
In den nächsten Wochen stehen die Feininstallationen an. Im Eingangsbereich soll eine Thekenanlage mit Museumsshop entstehen. Auch die Beleuchtung muss noch installiert werden, bis etwa ab Mitte August mit dem Einbau der Museumsausstattung begonnen werden kann. Die Eröffnung ist am 6. September geplant.
Inhaltlich wird sich die Ausstellung um die Geschichte des Ferdinand von Schill und seiner Offiziere im Spiegel der historischen Wahrnehmung und Wertung drehen. Im Unterschied zur vorherigen Konzeption soll die Ausstellung einen stärkeren Erlebnischarakter erhalten, der besonders Kinder und Jugendliche anspricht. Da werden an historisch bedeutsamen Punkten Tore durchschritten und mit Geräuschinstallationen in Szene gesetzt, Touch-Screens machen Geschichte interaktiv erfahrbar und ermöglichen einen persönlichen Zugang zum Thema.
Ergänzt werden soll dieser Ansatz durch museumspädagogische Programme, die sich speziell an Schulen richten. "Wir wollen auch die Öffnungszeiten erweitern und in Richtung Preußen-Museum anpassen", so Roehl. Man habe festgestellt, dass viele Besucher gerne beides miteinander verbinden.
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