Wesel: Isis sauer auf Arbeitsminister
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 15.02.2007Wesel (RPO). Bildungsträger Isis verärgert über NRW-Arbeitsministerium: Firma beklagt, dass sie unversorgte Jugendliche im Rahmen des Projekts „3000 Stellen“ ausbilden wollte und nicht berücksichtigt wurde. IHK: „Lösung ist in Sicht“
Dirk L. Unsenos, Geschäftsführer des Bildungsträgers Isis im Weseler Hanseviertel, ist auf NRW-Arbeitsminister Laumann und dessen Behörde derzeit gar nicht gut zu sprechen. Wie viele andere Kollegen am Niederrhein, so sagt er, fühlt er sich von dem Ministerium ungerecht behandelt.
Hintergrund: Im Oktober 2006 hatte Laumann ein Sofortprogramm aufgelegt, um 3000 unversorgten Jugendlichen eine überbetriebliche Ausbildung zu ermöglichen. Jeweils 30 Millionen Euro stehen dafür in diesem und in den nächsten beiden Jahren bereit. Die Industrie- und Handelskammern im Lande erhielten den Auftrag, alle Bildungsträger in ihrem Bereich anzuschreiben und über das Projekt zu informieren. 240 Jugendliche, so lautete eine erste Prognose der IHK Niederrhein, würden von dem Angebot Gebrauch machen. Doch tatsächlich meldeten bis zum Stichtag bei fünf Bildungsträgern lediglich 60 Ausbildungssuchende.
Anmeldungswirrwarr
Einen prognostizierten Bedarf von 240 Stellen im Rahmen des Programms „3000 Stellen für Jugendliche“ hatte die IHK Niederrhein dem Arbeitsministerium im Oktober 2006 gemeldet. Im Dezember korrigierte sie diese Zahl, weil nur 60 Anmeldungen vorlagen. Jetzt werden Bildungsträgern am Niederrhein nachträglich 105 zusätzliche Plätze zugestanden.
IHK: Liste zu spät eingereicht
Die Liste der 44 jungen Leute, die Isis mit Hilfe der Fördermittel zu Büro- und Einzelhandelskaufleuten sowie im Bereich Lagerlogistik ausbilden wollte, wurde nach Auskunft von IHK-Geschäftsführer Dr. Wolf-Eberhard Reiff so spät eingereicht, dass sie nicht mehr berücksichtigt werden konnte.
Unsenos sieht die Sache ganz anders. Er ist davon überzeugt, dass andere Handelskammern einfach mehr Plätze in Düsseldorf angemeldet haben und entsprechend berücksichtigt wurden. „Der Klausenhof in Dingden hat beispielsweise Fördermittel für seine Zweigstelle in Rhede erhalten, weil Rhede zur IHK Münster gehört, die Bedarf für 447 junge Leute angemeldet hat.“ Was ihn noch viel mehr wurmt ist die Tatsache, dass Bildungsträger, die eindeutig zu viele Plätze angemeldet und entsprechende Bewilligungsbescheide erhalten haben, nun so genannte Weiterleitungsverträge mit bislang unberücksichtigten Bildungsträgern abschießen sollen. „Das bedeutet für uns beispielsweise, dass ein Anbieter aus dem Ruhrgebiet uns seine Fördermittel abtritt, so dass wir unsere Jugendliche ausbilden können“, erklärt Unsenos. Der Haken: „Was ist, wenn der Bildungsträger Insolvenz anmeldet? Diese Verfahrensweise ist für uns nicht akzeptabel.“ Unsenos denkt ernsthaft an eine Demonstration vor dem Laumann-Ministerium.
Dr. Reiff geht allerdings davon aus, dass es soweit nicht kommen wird. Denn: „Nach Karneval will das Ministerium auf Isis zugehen und Kontakte zu Bildungsträgern knüpfen, die ihre Bewilligungsbescheide abtreten sollen.“ Die IHK hat mittlerweile erfahren, dass dem Kammerbezirk 105 zusätzliche Plätze zugestanden werden.
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