Kreis Wesel: Italo-Müll stinkt zum Himmel
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 16.08.2008Kreis Wesel (RPO). Gestern traf die erste Lkw-Ladung mit elf Tonnen italienischem Abfall in der Verbrennungsanlage Asdonkshof ein. In den nächsten Wochen folgen weitere Mengen. Der Müll aus Neapel ist hochwertig, stinkt aber auffallend.
Ein entsetzlicher Gestank liegt in der Luft. Atmen durch die Nase: unmöglich. Wer dennoch einen Zug nimmt, bereut schnell, es versucht zu haben. Nasenklammern gibt es nicht. Stattdessen rote Schutzhelme – das ist so Vorschrift. Gegen die weltmeisterliche Duftnote allerdings keine große Hilfe. 9.02 Uhr, gestern Morgen. Nach mehrmonatiger Wartezeit hatte das Warten gestern endlich ein Ende. Die erste Lkw-Ladung Müll aus Neapel ist in der Müllverbrennungsanlage Asdonkshof in Kamp-Lintfort eingetroffen.
Frank Obri steuert seinen mit Müll beladenen Boliden die rund 150 Meter lange Auffahrtrampe zur Entladehalle der Verbrennungsanlage hoch. Rund elf Tonnen Neapel-Müll hat er geladen. In den nächsten Wochen sollen noch etwa 2000 Tonnen folgen – alle per Lkw.
Hilfsaktion
Die Müllentsorgung ist eine bundesweit abgestimmte Hilfsaktion für Neapel. Die italienische Regierung hatte im Vorfeld die Bundesrepublik um Hilfe gebeten.
Die Firma Returo (Bonn/Leverkusen) hat ein Abkommen mit dem Sonderkommissariat Neapel über die Verwertung und Lieferung des Hausmülls abgeschlossen.
„Eine Anlieferung mit dem Zug lohnt sich dafür nicht“, erklärt Peter Bollig, Geschäftsführer Asdonkshof. Der südländische Müll sei lediglich eine Zusatzmenge, die nicht unbedingt benötigt werde, so der Geschäftsführer. Der Asdonkshof verbrennt im Schnitt täglich 700 bis 800 Tonnen Müll. Da mache der italienische Müll weniger als ein Prozent der Gesamtmenge aus, rechnet Bollig vor. Kamp-Lintfort ist eine von acht Müllverbrennungsanlagen in Nordrhein-Westfalen, die den neapolitanischen Müll verwerten. Bis zu 70 000 Tonnen Abfall werden insgesamt auf die acht Standorte verteilt. Kamp-Lintfort ist mit 2000 Tonnen neben Herten der kleinste der acht Abnehmer. Alle Anlagen erhalten für jede angelieferte Tonne eine Euro-Summe in dreistelliger Höhe. In erster Linie sei es aber eine Hilfsaktion, so Peter Fabrizius von der Entsorgungsfirma Returo.
Glas, Papier, Dosen
„Aha. So sieht also italienischer Müll aus. Eigentlich nicht viel anders als unser Müll. Nur stinkt er deutlich stärker als unser Müll“, sagt Udo Jessner, Prokurist der KWA, als Obri abkippt. „Dass es auf einer Müllverbrennungsanlage nicht unbedingt nach Rosenwasser duftet, ist klar, aber der ‘Stiefel-Müll‘ stinkt doch sehr extrem“, sagt Udo Jessner. Qualitativ hochwertig sei der Müll, stellt Fabrizius mit einem ersten fachmännischen Blick fest. Nur ein wenig scheppern würde er, und Textilien seien auch sehr viele vorhanden, findet Fabrizius – die italienische Mülltrennung unterscheidet sich offenbar ein wenig von der deutschen. Ansonsten ist auf den ersten Blick nichts zu beanstanden. Glasflaschen, Zeitungen, Getränkedosen und pralle Müllbeutel – alles da. Sicherheitshalber wird der stinkende und dampfende Haufen aber noch einmal im Labor auf Schadstoffe überprüft. Die Analyse ergibt: der Müll ist „sauber“ – na dann: „Feuer frei“.
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