Wesel: Jatho II ist startklar
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 31.08.2006Wesel (RPO). In Hannover läuft der Countdown für den Jungfernflug des Nachbaus jenes Motordrachen, mit dem Karl Jatho 1903 noch vor den Gebrüdern Wright abhob. Wesel hat seinen Fast-Sohn schon mit einer Straße am Flugplatz geehrt.
„Sorry, Mr. Wright“
„Jatho, Karl, Flugpionier, unternahm am 18. 8. 1903 mit seinem selbst gebauten Dreidecker (mit 12-PS-Motor) einen Luftsprung von 18 Meter Länge in 0,75 m Höhe, im Nov. 1903 mit einem Zweidecker viele kleine Flüge bis zu 60 m Länge in 2,5 m Höhe.“
So würdigt das dtv-Lexikon jenen Mann, dessen Tat im Gegensatz zu der der Wrights eben nicht gefilmt wurde. Und genau darum geht es den Hannoveranern – den Hüpfer eines haargenauen Nachbaus dokumentieren, um sagen zu können: „Sorry, Mr. Wright, wir waren die Ersten !“
/ hannover Die Gebrüder Wright kennt die Welt als jene, die mit dem ersten Motorflug in den USA Geschichte machten. Dass vier Monate vor ihnen, am 18. August 1903, in Hannover schon ein Hüpfer gelang, das wissen nur wenige. Leser der RP zum Beispiel, die sich an Berichte über Karl Jatho erinnern. Wesel hat seinen Fast-Sohn für seine technischen Pioniertaten bereits mit einer Straße am Flugplatz Römerwardt geehrt. Groß raus kommt er jetzt in Hannover, wo ein Nachbau seines Motordrachen startklar ist. Er soll am Sonntag, 3. September, auf dem Hannover Airport abheben.
„Fly in 2006“ am Sonntag
Wie die RP berichtete, hatten sich gleich zwei Tüftler, Harald Lohmann (75, Fürstenwalde) und Rolf Wille (79, Magdeburg) auf Jathos Spuren begeben. Lohmanns Nachbau ist jetzt termingerecht für das „Fly in 2006“ (10 bis 18 Uhr) fertig geworden. „Wenn das Wetter und die Konstruktion mitspielen“, so die Flugtag-Veranstalter des Hannover Airport, wird der Motordrachen Jatho II für einen kurzen Luftsprung vom Boden abheben. Schon Anfang August war das abenteuerliche Fluggerät mit einem Auflieger zum Flughafen der niedersächsichen Landeshauptstadt gebracht worden und in einem Hangar fertiggestellt worden.
Anspruch: „Wir waren die Ersten !“
150 000 Euro hat das Projekt verschlungen, das auf eine Initiative des Arbeitskreises für Technik und Industriegeschichte Hannover und des Hannover Airport zurückging. Die Finanzierung ermöglichte schließlich die Haus & Grund Bürgerstiftung, die eine ganze Reihe von starken Sponsoren gewinnen konnte.
Die Verbindungen zu Wesel, wo Karl Jathos Bruder Wilhelm die elterliche Fahrradfabrik und Werkstatt weiterführte und wo die beiden auf der Schillwiese mit Flugdrachen experimentierten, ist Bernd Felski bekannt. Der Geschäftsführer der Bürgerstiftung schaut in diesen Tagen nur aufs Wetter. Denn nur, wenn optimale Bedingungen herrschen, soll Jatho II starten. „Wir wollen natürlich am Sonntag zeigen, dass er fliegt“, hofft Felski. „Wenn es stürmt und regnet, dann eben in den nächsten Tagen. Die Maschine bleibt solange am Airport, bis es klappt. Wir haben sie originalgetreu, mit allen Fehlern, nachgebaut – auch den Motor. Der Block ist eigens gegossen worden. Authentischer geht es nicht.“
2003 zum 100-Jährigen des Motorflugs, als alles von den Wrights sprach, hatten die Hannoveraner ihr Projekt aufgelegt. „Wir waren die Ersten“, formuliert Felski Anspruch Motivation für das Vorhaben, das natürlich auch zum Image beitragen soll. Mit 14 000 Mitgliedern fühle sich Haus & Grund „der Stadt verpflichtet“. Nachdem die Idee, den Hannover Airport nach Karl Jatho zu benennen, scheiterte, gelang der Kompromiss: Der Privatfliegerbereich wird ab Sonntag, den Namen des Flugpioniers tragen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




