Hamminkeln: Jecke Konkurrenz für Airbus
VON STEFAN WAGNER - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010Hamminkeln (RPO). Die Humpenpumpen fliegen beim Rosenmontagszug in Dingden mit. Sie bauen intensiv am närrischen Hingucker der Session. Der entsteht zur Zeit in der "Konstruktionshalle".
Die Humpenpumpen aus Loikum wollen dies Jahr mit ihrem Wagen abheben und haben dafür seit Karnevalsbeginn geflext, geschweißt, gefeilt, lackiert, getüftelt und vieles mehr. Beim Rosenmontagszug in Dingden soll der A 320 dann nach Möglichkeit im ersten Drittel mitfliegen. Ihre Namen hat die 25-köpfige Clique der Konstrukteure und Konstrukteurinnen weg, seit sie mal am Oktoberfest beim Humpen-Pumpen war. Mit ihrem eigenen Wagenbau sind sie vor drei Jahren angefangen. Zuvor hatten sie schon etliche Jahre bei der Landjugend beim Bau der Karnevalswagen mitgeholfen.
Detailgetreues Modell
Pünktlich zum 11.11.2009 ging es mit Originalplänen des A 320 ans Werk. Nachdem ein solches Flugzeug aus 44 Tonnen Aluminium besteht und sowohl die Werkstatt, ein ehemaliger Stall, als auch die Vorgaben für die Größe des Wagens einschränkten, machte man sich daran ein detailgetreues Modell von 3,6 Meter Länge und einer Flügelspanne von drei Meter zu bauen. Ein ordentlicher Zeitplan sorgte dafür, dass Verzögerungen beim Bau ausgeschlossen waren. So schraubte und bastelte die Clique über zehn Wochen jeden Samstag bis zu fünf Stunden an ihrem Wagen, welcher mit Tower und Landebahn gleich alles nötige enthält. Beim Flexen hatten auch mal "zwei Schichten Klamotten" dem Funkenflug nicht standgehalten.
Der Vergleich
Airbus A 320 und der Humpenpumpen A 320 im Vergleich:
Länge: 37,57 m – 3,6 m Spannweite: 34,1 m – ca. 3 m; Antrieb: 2 Triebwerke à 118 kN – zwei regelbare Ventilatoren; Passagiere: 150 bis 180 – 25 und eine Stewardess; Kaufpreis: 73,2 bis 80,6 Mio. US-$ – Verhandlungssache; Tank: 23 860 bis 29 840 Liter – 70 kg Kamelle und etliche Getränke; Erstflug: 22. Februar 1987 – 15. Februar 2010
Zwar stellte die Spitze des Flugzeugs die größte Herausforderung dar, sie wurde aus einem Porester-block herausgearbeitet, aber Konstruktionsschwierigkeiten gab es dennoch nicht. Auch die Hydraulik, welche den Flieger beim Anflug helfen soll, ist funktionsbereit. Zwar war es "teilweise zum Trinken zu kalt gewesen", aber die Anlage oder das Radio sorgten mit Musik und Fußballspielen für gute Laune. Aus der "Konstruktionshalle" drang häufig lautes Lachen der bastelnden Handwerker und Techniker. Für die verbleibenden Tage will man noch ein paar Verschönerungsarbeiten vornehmen. An technischen Details wurde nicht gespart. So ist die Landebahn beleuchtet und der Tower mit einer eigenen rotierenden Radaranlage versehen. Der Bass der Musikanlage wird unter anderem aus dem Tower erschallen und quasi vom Treckerfahrer aus per I-Pod aus bedient. Als Zugmaschine wird ein Oldtimer, eine echte Ferguson aus den 60er Jahren, dienen.
Die jecken "Mädels" erklärten "Wir sind für die Sprüche zuständig" und kamen dafür sogar nach einem Nachtdienst zum Beschreiben des Wagens her. Die Umgehungsstraße, besondere aber die Hunde-und Naturschutz-Debatte zur Dingdener Heide hatten es verdient auf dem Wagen verewigt zu werden. Lächelnd teilte man noch mit, man habe schon für das nächste Jahr eine gute Idee, aber vorerst gilt es noch die Jury der Umzugswagen von ihrem jetzigen Projekt zu überzeugen.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.



