Wesel: Jecken erobern Schill-Kaserne
VON INES KLEPKA - zuletzt aktualisiert: 14.11.2009Wesel (RPO). Weseler Karnevalisten forderten lautstark Einlass, aber die Bundeswehr-Soldaten wehrten sich wacker. Der Kommandeur, bekennender Karnevalsnovize aus dem Westerwald, fand am Ende den Weg zum jecken Volk.
Mitgestürmt
Die Honoratioren der Region stürmten munter mit: unter anderem die Brüner Majestäten Michael I. und Stephanie I., aus Dingden Dieter III. und Klodi I. – und natürlich das Weseler Prinzenpaar, Jens I. und Manuela I. sowie das Kinderprinzenpaar Yannik I. und Melina I.
Eine gar unnärrische Zeit suchten sich die Weseler Karnevalisten Mittwochabend zum Sturm auf die Blumenkamper Schill-Kaserne aus: Um 19.35 Uhr rückten sie an, forderten lautstark Einlass. Jenseits des Tores hatten sich bereits die Soldaten versammelt und warteten auf die Jünger des Hoppeditz'. Ihr Gefährt versprach bereits ein großes Spektakel: Hebebühne und Lkw standen zum Einsatz bereit, laute Musik stimmte hier auf die närrische Zeit ein.
"Moin Jungs", sagte Fita
"Moin Jungs", begrüßte CAW-Präsident Fita Moshövel das Gegenüber. Er ließ keinen Zweifel über die jecke Überlegenheit, ließ den Soldaten aber die Möglichkeit zur kampflosen Aufgabe: "Wir können das auch ganz einfach machen: Ihr macht einfach das Tor auf und wir übernehmen das alles hier." Doch so leicht gaben sich die Soldaten nicht geschlagen: Das Tor blieb zu.
Und Moshövel musste sich auch mit seinen Forderungen nach einem Verhandlungspartner gedulden: "Wer hat den hier das Sagen? Das ist hier ein Haufen. Ich zähle bis 27. So weit komme ich gerade noch." Die Drohung half: Oberstleutnant Guido Koberg, bekennender Karnevalsnovize aus dem Westerwald, fand schließlich den Weg zum jecken Volk. Er wies die Möglichkeit der Kapitulation von sich.
Über den Einzug der Narren sollte eine Jury entscheiden, die mittlerweile als Sylvie van der Vaart, Bruce Darnell und "Diedda" Bohlen auf der Hebebühne Platz genommen hatte, hoch über dem Geschehen thronten und die Showeinlagen vor dem Tor beurteilten. "Ihr seid süß, aber zu jung fürs Showbusiness", sagte die blonde Schönheit nach der musikalischen Darbietung der Narren. "Mega, megageil", urteilte der Pop-Titan, und Bruce befand: "Ihr seid so wunder-, wunderschön." Doch für den Einzug reichte das noch nicht. Schließlich hatte die Kaserne dem etwas entgegenzusetzen: Sie ließen die Cheerleaders vom GFC Incredibles des American-Football-Vereins Gelsenkirchen Devils auflaufen; mit einer schwungvollen Showeinlage heizten die jungen Damen den Zuschauern kräftig ein.
Heiß her ging es auch im weiteren Sturm-Verlauf: Während die Narren mit Feuerwerk zu beeindrucken suchten, setzte die Kasernen-Internen auf handfesten Krach. Beugen mussten sie sich schließlich schweren Geschütz: Unter Blaulicht rückte die Feuerwehr an, positionierte die große Wasserspritze auf die Schar in Olivgrün. "Ihr seid nur ein Karnevalsverein", behauptete diese. Doch es half nichts: In einer Fontäne prasselte das Nass auf sie nieder. Und so wurde der symbolische Schlüssel den Jecken übergeben. Die zogen unter lautem Hallo hin zur Kfz-Halle, um dort ihr buntes Treiben weiterzuführen.
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