Hamminkeln: Johanniter "ernten" Cannabis
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 05.07.2012Hamminkeln (RP). Johanniter im Einsatz finden Cannabispflanzen in einem Dingdener Feld. Die sprossen dort unter besten Bedingungen – eine Leitung zur Biogasanlage gab Wärme genug. Dann rupfte die Polizei den Stoff amtlich aus.
Marc Friedrich (33) und sein Kollege Thorsten Mehr (38) haben als Besatzung des Rettungswagens der Johanniter Unfallhilfe schon eine Menge gesehen. Aber gestern auf ihrer Fahrt durch Dingden trauten sie ihren Augen nicht. Mitten auf einem Getreide-Acker gegenüber der Biogasanlage Am Bokern machten sie hochgewachsene Pflanzen aus, die ihnen ziemlich verdächtig vorkamen. Und sie sollten recht behalten. Es handelte sich um ein Beet von Cannabispflanzen mitten im Kornfeld.
Die Rettungsassistenten waren auf der Fahrt von Wesel nach Dingden, um einen Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nach Hause zu bringen. Dabei fielen ihnen beim Blick aus dem Auto Pflanzen auf, die sich vom Umfeld abhoben. Zwei hatten eine Höhe von 1,50 Meter, weitere acht waren deutlich kleiner. "Wir haben als erfahrene Rettungsassistenten auch mit Patienten zu tun, die Drogen nehmen", so Friedrich. Daher hatte er gleich eine Ahnung, um was es sich das handeln könnte. Zunächst aber brachten die beiden den anvertrauten Patienten heim.
Sanitäter mit richtigem Näschen
Auf dem Rückweg stoppten sie am Kornfeld und sahen sich die Pflanzen aus der Nähe an. "Ich habe ein Blatt zwischen die Finger genommen und zerrieben", so der 33-Jährige. Dann hat er ein Näschen genommen und sah sich bestätigt: "Ganz klar, Cannabis, auch als Marihuana und Gras bekannt", so Friedrich. Der medizinisch ausgebildete Retter lieferte gleich die fachliche Erläuterung: "Der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Somit war klar: Polizei alarmieren." Die kam raus und rupfte die Pflänzchen aus dem Boden, die dann der städtische Bauhof Hamminkeln in Rauch aufgehen ließ.
Für die Polizei ist der Fall damit abgeschlossen, wie Sprecher Josef Wißen gestern sagte. Sie geht davon aus, dass es sich um eine Zufallsplantage, "also Wildwuchs" handelt. Ob das stimmt, weiß niemand. Die Ermittlung nach den Anbauern entfällt. Die Experten wunderten sich mächtig, dass die Pflänzchen, die viel Licht und Wärme brauchen, Open Air so gut gedeihen konnten.
Der Bauer, dem das Kornfeld gehört, lieferte eine mögliche Erklärung. Durch seinen Acker verläuft seit einigen Monaten eine Wärmeleitung, über die die Biogas-Anlage den Klausenhof und in Kürze auch die Turnhalle am Mumbecker Bach mit Wärme beliefert.
Friedrich geht davon aus, dass der Wert der verbrannten Pflänzchen "durchaus mehrere Hundert Euro" ausmacht. Nach dem Abernten blieb noch etwas Zeit für eine kurze Fotosession vor dem Rettungs- und dem Streifenwagen.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.




dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.