Wesel: Kabarettist Johann König eskalierte im Bühnenhaus
VON JONAS FALK - zuletzt aktualisiert: 08.10.2007Wesel (RPO). Die „depressive Stimmungskanone“ Johann König hatte vor seinem Auftritt am Freitagabend im Bühnenhaus offensichtlich in der Weseler Innenstadt recherchiert. „Sehr schöner Fernsehturm. Bin erstmal hochgefahren ins Restaurant“, unkte der Komiker. „Dann stehen überall so bunte Esel ’rum. Wen hat man dafür beauftragt? Mach mal 1000 Esel, ich bemale die, stelle die in den Weg und schreibe Kunst drauf?“ so der Mann mit der hohen Stimme weiter. Im zweistündigen Programm „Johann König eskaliert“ bot der Wahl-Kölner einen Streifzug durch die Abgründe der deutschen Gesellschaft und der Seele des „geilen Typs“, wie König sich selbst bezeichnete. Dem Untertitel „fiese Geschichten, abartige Gedichte und guter Gesang“ wurde das Spektakel, auf schmalem Grad zwischen Genie und Wahnsinn wandelnd, gerecht.
Studenten der Sozialphysik
Fast wehleidig wusste König das Publikum mit seiner überzogen verstörten Art zu gewinnen. „Auch wenn man’s mir nicht ansieht, macht mir mein Beruf richtig Spaß“, so der Kabarettist. „Ich bin gefühlskalt, aber ich kann es nicht zeigen“, sagte der launische Liedermacher und Poet trocken. Immer wieder würzte er das verbale Potpourri mit irrsinnig anspruchsvollen und tiefgründigen Mehrzeilern.
Selbst vor abgrundtief schlechten musikalischen Darbietungen und eigenwilligen Tanzeinlagen mit einer ernsthaften Eskalation latenter Aggression schreckte der Alleinunterhalter nicht zurück.
Königs Erzählungen handelten von seiner Beziehung zu Kater Hector-Pascal, nächtlichen Gewinnshows oder der allgemeinen Langeweile in seinem Leben. Milchaufschäumer als chirurgisches Werkzeug, Seifenspender aus Regionalbahnen als Parmesanautomat in der Küche, Klingeltöne fürs Fahrrad und Studenten der Sozialphysik waren nur einige der Themen im bunten Mikrokosmos des Kabarettisten.
Angesichts einiger eigener Eskapaden fühlte sich König gar zur Selbstreflexion verleitet – in der dritten Person. „Was hat der eigentlich genommen?“ Ob sitzend, stehend, liegend oder tanzend, immer wieder spielte er mit scheinbaren Schwächen seiner selbst. Auf der Bühne aß Kasper König sogar Suppe und ließ seine Karriere Revue passieren. „Einst habe ich Sprüche mit der Buchstabensuppe auf den Tisch gespuckt. Wenn man erfolgreich ist, hat man irgendwann das Geld, um das Publikum zu lieben“, scherzte er.
Den Zuschauern im Bühnenhaus gefiel es. „Ich habe ihn nun zum zweiten Mal gesehen, wieder war’s klasse. Aber er hat eine sehr spezielle Art, die sollte man vor dem Kartenkauf kennen“, meinte beispielsweise Dominic Daleske (22) aus Mehrhoog.
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