Wesel: Kaffeeklatsch bei Eva Brinkman
VON CORNELIA KRSAK - zuletzt aktualisiert: 20.08.2010Wesel (RPO). Kaffeeklatsch – das ist weit mehr als Tratsch mit Törtchen und Kaffeegenuss. Im Ritual des Kaffeekränzchens spiegelt sich die Kulturgeschichte einer ganzen Epoche. Die Künstlerinnen Ursula Bröcheler, Karin Denecke und Lisa Frenthoff-Köpp haben sich dem Phänomen angenommen und eine Kunstinstallation geschaffen, die morgen um 11.30 Uhr im Rahmen der Aktion "Ab in die Mitte – Wesel vorbild(lich)" im Bauwagen "Eva Brinkmann" auf der Brückstraße eröffnet wird.
Als Bildhauerin bekannt
Eva Brinkmann (1896-1977) prägte als Bildhauerin, Malerin und Zeichnerin das kulturelle Leben Wesels von den 30er Jahren bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg. Akzente setzte sie vor allem mit ihren Bauplastiken an zahlreichen Gebäuden. Ihre Skulptur der "Trauernden Vesalia" steht heute noch auf dem Friedhof an der Caspar-Baur-Straße. In "ihrem" Bauwagen haben die drei Künstlerinnen eine Kaffeetafel ganz in weiß gestaltet. Von der Decke baumelt altes Porzellan. Kaffeefilter, süße Baisers und weiße Mäuse kleben an den Wänden. Im Hintergrund ziert zerschlagenes Porzellan ein großes Bild.
Der festlich gedeckte Tisch ist mit Bändern und Schleifen dekoriert, auf denen Sprüche stehen, die sich um das Thema Kaffee drehen. "Kunst – Kommunikation – Kommerz" lautet der vielsagende Titel der Aktion, die mit dem Klischee der Klatschtanten am Kaffeetisch aufräumen will. Einst waren Kaffee, Sahne und edles Zuckerwerk ein Privileg der Aristokratie. An der Schwelle zur Moderne hielt das Kaffeekränzchen Einzug in die Wohnstube der Bürger. Sowohl der kulturhistorische Hintergrund soll mit der Installation beleuchtet werden als auch neuzeitliche Entwicklungen wie "Coffee to go" oder der abendliche "Business Club" berufstätiger Frauen statt Kaffeekränzchen am Nachmittag.
Kunst, Kaffee und Kommerz
Die Rituale haben sich verändert, doch das Bedürfnis nach einem Ort der Kommunikation bleibt. Auch die zwiespältige Verbindung von Kunst und Kommerz und die wirtschaftliche Bedeutung des Kaffees von der Zeit der Hanse bis heute werden thematisiert.
Die Kunsthistorikerin Claudia Bongers führt bei der Eröffnung in die Rauminstallation ein und sorgt als Vertreterin des Weseler Antiquitäten-Cafés Minchen für Kaffeegenuss und kunstvolles Zuckerwerk. Vor dem Bauwagen wird eine lange Tafel aufgebaut, an der jeder Platz nehmen und am Kaffeeklatsch teilnehmen kann.
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