Wesel: Kampf gegen Klinik-Keime
VON JULIA NAKÖTTER - zuletzt aktualisiert: 27.08.2010Wesel (RPO). Der Tod von drei Säuglingen in der Uni-Klinik Mainz rückt das Thema Hygiene in Krankenhäusern in den Mittelpunkt. Die RP hat Wesels Kliniken gefragt, was gegen resistente Keime hilft. Erste Regel: Hände desinfizieren!
"Wenn man Keime sehen könnte, wäre hygienische Disziplin im Krankenhaus kein Thema", sagt Angelika Schulz. Die Hygienefachkraft des Marien-Hospitals kämpft gegen die unsichtbaren Krankheitserreger und kennt das Grundproblem: "Wir arbeiten mit den Händen und diese können Keime übertragen." Daher gilt auf allen Stationen im Marien-Hospital die Regel: Hände desinfizieren! "Damit Ärzte, Pfleger und auch Patienten sich daran halten können, haben wir in den Zimmern die Zahl der Spender mit Desinfektionsmittel erhöht", berichtet Angelika Schulz.
Doch der Kampf gegen die Klinik-Keime geht noch weiter. Wichtigste Abteilung im Marien-Hospital ist die Zentralsterilisation: Dort reinigen und desinfizieren bis zu acht Assistentinnen kontaminierte OP-Instrumente. Zudem legt eine Klinik-Kommission regelmäßig die Standards der hauseigenen Hygiene- und Desinfektionspläne fest.
Euregio-Projekt
Die MRSA-Studie findet im Rahmen des Euregio-Projekts "EurSafetyHealth-net", einem europäischen Netz zur Patientensicherheit, statt. Beteiligt sind alle acht Krankenhäuser im Kreis Wesel. Ziel ist es, Standards zum Schutz vor Infektionen zu entwickeln.
Gabe von Antibiotika überprüfen
Um die Häufigkeit von Krankenhauskeimen zu ermittelt, nehmen das Marien-Hospital und das Evangelische Krankenhaus (EVK) Wesel seit Beginn des Jahres an einer Studie teil (siehe Info). Ziel ist es, die Verbreitung von MRSA (Methicillin Resistente Staphyloccus Aureus) zu erfassen. Bei Verletzung der Haut können diese Bakterien Wundinfektionen verursachen. Das Gefährliche für Patienten ist, dass der Keim resistent gegen Antibiotika geworden ist.
"Und genau dort müssen wir ansetzen", weiß Dr. Rüdiger Schmidt. Der hygienebeauftragte Arzt im Evangelischen Krankenhaus setzt auf sogenannte Antibiotika-Visiten. "Dabei wird die Gabe von Antibiotika überprüft, um eine Keimunempfindlichkeit zu vermeiden", sagt der Chefarzt. "Ein frühzeitiger Wechsel, weg von einem breitenwirksamen Antibiotikum, kann bereits helfen."
Um den Einsatz des Arzneistoffs effektiver zu gestalten, erhalten die Ärzte im EVK verpflichtend ein Taschenbuch. Schmidt: "In diesem Antibiotika-Standard stehen, auf die jeweilige Diagnose bezogen, detaillierte Infos zur Abgabe." Eine erste Probe in Form von Abstrichen hat anlässlich der Euregio-Studie gezeigt, dass die Rate aller multiresistenten Keime im EVK bei einem Prozent lag. "Wir hatten mit zehn gerechnet. Bei MRSA sind es sogar null Prozent. Damit das so bleibt, müssen wir Mitarbeiter regelmäßig schulen", sagt Schmidt.
Vorbild sind hier niederländische Krankenhäuser. Während der Studie wird mit dem Mikrobiologen Professor Andreas Voss aus Nimwegen kooperiert. "Wir wissen bereits, dass es gewisse Risikogruppen und -faktoren gibt. Derzeit wird geprüft, welche Standards wir aus den niederländischen Kliniken übernehmen können", berichtet Schmidt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




