Wesel: Kein Zug nach Irgendwo
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 06.10.2007Wesel (RPO). Wegen des Lokführerstreiks strich die Bahn gestern Vormittag in Wesel zahlreiche Verbindungen. Kegelclub ließ sich die Laune nicht verderben und orderte Großraumtaxi in die Eifel. Freude über außerplanmäßigen Sonderzug.
Die Tour des Kegelclubs „Knickbolzen“ zum „Eifelstern“ nach Bitburg – einer überaus angesagten Adresse für Menschen in Feierlaune – ist seit langem geplant, das Bahnticket für 110 Euro bezahlt. „Das Geld haben wir in den Sand gesetzt“, sagt Carsten Schmäh, einer der acht munteren Weseler Kegelbrüder und prostet seinen Kollegen in der vergleichsweise leeren Eingangshalle des Weseler Bahnhofs zu. Wegen des Lokführerstreiks ist die für sie wichtige Bahnverbindung um 9.32 Uhr gestrichen. Und weil erst um kurz vor 11 Uhr der nächste Zug wieder fährt und sie deshalb die Anschlusszüge verpassen würden, haben sie sich ein Großraum-Taxi gerufen. „Tekath hat uns einen wirklich guten Preis gemacht“, verrät Schmäh. „Jetzt lassen wir uns halt die 240 Kilometer direkt nach Bitburg kutschieren.“
Falsche Angaben im Netz
Nicht nur die Pläne der „Knickbolzen“ wurden durch den Streik der Lokführer gestern Morgen kräftig durcheinandergewirbelt. Auch zahlreiche andere Bahnkunden mussten zum Teil lange Wartezeiten in Kauf nehmen, um Wesel per Zug verlassen zu können. Ärgerlich: Die Angaben der Bahn im Internet waren zum Teil falsch. „Wir haben um 7.30 Uhr noch nachgeschaut. Da stand, dass der Zug Richtung Düsseldorf um 9.32 Uhr fährt. Und jetzt kommt er nicht“, schimpft Leni Hümmelink (Bocholt), die mit ihrem Mann die Reha-Care-Messe besuchen möchte.
Mit dem Ehepaar an Gleis zwei wartet auch Ingrid Clemens aus Wesel auf den Regionalexpress. Auch sie, die sich auf ihrem Rollator ausruht und einen schönen Tag in Essen machen möchte, ist empört. „Natürlich habe ich gewusst, dass gestreikt wird. Deshalb hat sich meine Enkelin Ann-Kathrin extra im Internet schlau gemacht. Und jetzt das hier.“ Eine Lautsprecherdurchsage wenig später besänftigt die Gemüter ein wenig. Denn außerplanmäßig fährt kurz nach 10 Uhr der Rhein-Express Richtung Koblenz ein. „Kompliment. Das muss man der Bahn hoch anrechnen. Sogar mit Lautsprecheransage“, raunt Mike Ackermann, der zur Arbeit in die Düsseldorfer Altstadt muss und seinen Chef per Handy zuvor bereits informiert hat, dass er wahrscheinlich erst um ein Uhr da ist. Jetzt wird’s wohl doch früher.
„Verdienen nicht die Welt“
Groß war die Freude bei Rita Schlebes und ihren sieben Dingdener Kegelschwestern. Der Sonderzug bringt sie nun ohne Umsteigen nach Koblenz. Von dort geht’s an die Mosel. „Das ist ja noch besser, als wäre der Zug um 9.32 Uhr gefahren“, sagt die Organisatorin der Tour. Dass die Zugführer mehr Lohn haben wollen, können die Frauen verstehen. „Bei der Verantwortung verdienen die wirklich nicht die Welt“, sagt Susanne Hülsken. Alle nicken.
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