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Hamminkeln: Kellerkind: Behörde half nicht

VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 11.09.2010 - 10:32

Hamminkeln (RPO). Die Familie des siebenjährigen Justin, den die Polizei nackt aus dem Keller des elterlichen Wohnhauses in Hamminkeln befreit hat, bekam keine ambulante Hilfe vom Jugendamt. Das bestätigte am Freitag ein Sprecher des Kreises Wesel auf Anfrage. Das Jugendamt sei in diesem Jahr lediglich sechsmal aufgrund von Hinweisen von Nachbarn und Verwandten in dem Reihenhaus der Familie gewesen.

 Foto: KLXM.de
Foto: KLXM.de

 Die Vorwürfe der Misshandlung und Vernachlässigung, so der Sprecher, hätten jedoch erst beim Polizeieinsatz am 4. September verifiziert werden können. Nur drei Tage vorher hatten Behördenmitarbeiter Justins Eltern aufgrund eines Hinweises von Nachbarn besucht.

Aus der Nachbarschaft waren Vorwürfe laut geworden, dass das Jugendamt den Ernst der Lage nicht erkannt habe. Heinz Hilgers, Vorsitzender des Kinderschutzbundes, hat jedoch Verständnis für die Mitarbeiter der Behörde.

 Wenn eine Familie in ordentlichen Verhältnissen lebe und keine äußeren Verletzungen oder Vernachlässigungen zu erkennen seien, sei es schwierig, die Gefährdungslage zuverlässig einzuschätzen: "Allerdings hätten alleine die Hinweise aus der Schule auf häufiges Fehlen des Jungen ausreichen müssen, um der Familie ambulante Hilfen wie etwa eine Therapie oder eine Erziehungsberatung anzubieten." Das Jugendamt hatte lediglich das Familiengericht eingeschaltet, das bislang Auskünfte zu dem Fall verweigert.

Justin ist im Augenblick bei einer Bereitschafts-Pflegefamilie untergebracht. In etwa drei Monaten könnte er auf Dauer in eine Pflegefamilie wechseln. Denkbar sei aber auch eine Unterbringung bei Verwandten, hieß es Freitag beim Kreis Wesel. "Der Junge", sagt Hilgers, "dürfte schwer traumatisiert sein und eine Therapie benötigen."

Quelle: RP

 
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