Hamminkeln: Kirche im Dorf statt Local Hero
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 30.12.2009Hamminkeln (RPO). Musikschulleiter Ulrich Ingenbold hat jetzt seine Konzeption für den Hamminkelner Beitrag zum Festival Kulturhauptstadt 2010 vorgestellt. Er setzt dörfliche Bescheidenheit gegen das "Schickimicki" der Ruhr-Metropole.
Das kleine Hamminkeln bleibt sich treu will beim Mega-Event Kulturhauptstadt Ruhr 2010 abseits der Metropolen in authentischer Bescheidenheit "Die Kirche im Dorf lassen". Dennoch geht die Stadt ihren kulturellen Beitrag voller Ehrgeiz an und möchte unter der Intendanz der Musikschule einen ganz eigenen, einmaligen Akzent setzen.
Musikschulleiter Ulrich Ingenbold stellte mit unverstelltem Stolz die ihm übertragene Aufgabe als Programm-Macher und seine Marschrichtung jetzt der Politik vor. Die gewann er mit einer Portion Charme und einer Prise Witz für seine Ideen. Am Anfang war eine Abgrenzung: Ingenbold stellte den Begriff "Local Heroes" erst einmal in die Ecke, weil er eben nichts Heldenhaften im Visier hat und um Raum zu schaffen für das, was "liebenswerte Menschen" eben zu bieten haben. Und das sei eine ganze Menge und erreiche die Herzen. "Ich sehe keine Helden", sagt Ingenbold und klassifizierte den Titel als sprachliche Hochnäsigkeit der Projektplaner.
Den Menschen auf dem Lande sei allenfalls die Rolle als "Speckläufer" zugedacht, die mitspielen dürften, um alle 52 Wochen des Jahres auszufüllen. Doch die gönnerhafte Einladung sei auch "eine großartige Chance", fernab von "Schickimicki" die Qualitäten vor Ort unverfälscht und ehrlich ins rechte Licht zu rücken.
Aus der Not, dass für den Spätmelder Hamminkeln nur noch die jecke Woche vor Rosenmontag (Sonntag, 7., bis Samstag, 13. Februar) frei war, macht der Musikpädagoge eine Tugend: "Es wird ein Programm für Karnevalsimmigranten." Dass er und seine Mitstreiter vor leeren Rängen spielen, fürchtet er nicht. "Der Niederrheiner gönnt sich höchstens einen Tag Karneval", glaubt er. Und er sucht, durch dicke Mauern geschützt vor Helau und Tataaa, die feine Stille: Kirchen werden vornehmlich die Schauplätze für musikalisches Vergnügen der feinen Art.
Gastlichkeit der Landfrauen
"Die gute Akustik und die guten Gastgeber sind gute Argumente für eine gelungene Darstellung der Stadt der Dörfer weit vor den Toren der Ruhrhauptstadt Essen", findet der Musikschulleiter. Die Botschaft, die von der Issel ausgehen soll, lautet: "Das Dorf ist gastlich, schafft Begegnung und wohlige Gefühle." Mit von der Partie sind auch die Landfrauen, die Brot und Wein servieren. "Das passt prima zu den Kirchen und der Gastlichkeit", so der muntere Intendant.
Ingenbold verspricht Projekt, die "einmalig" sein werden. Dabei komme nicht nur Musik, sondern auch Literatur zu Wort. Auch der Kostenrahmen passt: 55 000 Euro gibt's aus der Kulturhauptstadt. Die werde er nicht brauchen. Es wird ein satter Betrag übrig bleiben. Und das ist gut so: Den Rest hat er verplant für eine "Nacht der Jugend" – die soll im Sommer 2010 über in Hamminkeln anbrechen.
Doch zunächst werden die Programmhefte für "Kirche im Dorf" pünktlich zum neuen Jahr verteilt. Damit jeder Hamminkelner und jeder Besucher weiß, wo wann was bodenständige Gastlichkeit verströmt. Dann können auch Karten gekauft werden.
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