Wesel: Klare Linie statt Kungelei
zuletzt aktualisiert: 20.02.2009Wesel (RPO). Bürgermeister-Kandidat Ralf Hörsken hat die CDU komplett überzeugt. Wie will der Alpener das Vertrauen der Weseler Wähler gewinnen und sich als Alternative zur Verwaltungschefin positionieren?
Ralf Hörsken hat als Bürgermeister-Kandidat die CDU überzeugt und wurde mit 100 Prozent der Stimmen nominiert (RP berichtete). Das Vertrauen der Partei muss er nun in Wähler-Stimmen ummünzen. Redakteur Thomas Hesse befragte ihn, wie er das tun will.
Ihre Frau Bernadette war bei der Nominierung dabei. Wie fand sie ihren ersten Auftritt vor der CDU?
Hörsken Sie hat gesagt, er hat ihr gut gefallen. Sie ist auch herzlich aufgenommen worden von der Weseler CDU. Sie hat sich gefreut, dass die Leute mich verstanden haben.
Sie sind jetzt Mister 100 Prozent.
Reserveliste
Auf die fünf bereits gemeldeten ersten Plätze der CDU-Reserveliste folgen: 6. Birgit Nuyken; 7. Patrick Tenhaeff, 8. Jutta Radtke; 9. Karl-Heinz Ortlinghaus; 10. Birgitta Kempkes; 11. F. Bothen; 12. Jürgen Lantermann; 13. U. Richartz.
Hörsken Damit rechnen kann man nicht, die Leute kannten mich ja nicht. Das Ergebnis hat mich ungeheuer gefreut.
Ihre Rede wirkt wie ein Befreiungsschlag für die CDU.
Hörsken Es ging ein Aufatmen durch den Raum. Die Leute haben mich als Menschen kennengelernt. Man muss meine Stimme kennen, ich muss sehr viel vor Ort sein, damit Botschaften rüberkommen.
Wie schaffen Sie das neben dem Beruf?
Hörsken Momentan habe ich eine 90-Stunden-Woche, ich habe keine Wochenenden mehr. Ich bin fit, um das durchzuhalten. Leider bleibt kaum Zeit für Sport. Zum Ausgleich lese ich gerne – im Moment die Trilogie von Cornelia Funke.
Auffällig war: Sie haben häufig den Namen ihrer Gegnerin genannt und sie kämpferisch angegriffen.
Hörsken Die Leute sollen die Wahl haben: Ulrike Westkamp und Ralf Hörsken stehen für sehr unterschiedliche Konzepte. Ich habe die Defizite der Bürgermeisterin genannt, zum Wahlkampf gehört, ihre Bilanz einzufordern und zu analysieren.
Ihre Analyse fällt kritisch aus.
Hörsken Die Bürgermeisterin hat öffentlich gesagt, sie moderiere. Ein Bürgermeister hat gelegentlich zu moderieren, aber das ist nicht die Hauptaufgabe. Politikberatung, Führung der Verwaltung, Vorbereitung und Umsetzung politischer Vorgaben – darum geht es. Ich bin gewohnt, in Alternativen zu denken und diese vorzubereiten. Dann kann die Politik beschließen.
Der moderne Kandidat und die alten politischen Akteure – können Sie vermitteln, dass ein anderer Wind weht?
Hörsken Ich habe mehrfach betont, dass eine neue Generation bei der Kommunalwahl für die CDU antritt – viele unter 50 Jahren und mit hoher Qualifikation. Wesel steht auch politisch vor einem Umbruch. Die Methoden von Teilen der alten Politiker-Generation verfangen nicht mehr. Die Leute wollen keine geheimen und undurchsichtigen Absprachen mehr. Nun kommt die klare Linie.
Vermissen sie aus Ihrer Außensicht besagte klare Linie in Wesel?
Hörsken Ja. In Gesprächem mit Bürgern höre ich immer wieder: Wie sind genau die Positionen, in denen sich die Parteien unterscheiden? Aus Duisburg, wo ich arbeite, weiß ich: 85 Prozent der Entscheidungen sind im Konsens, 15 Prozent umstritten – hier entsteht das politische Profil der einzelnen Parteien. Hier muss man klar positioniert sein, um anzukommen.
Weseler Kungelpolitik alten Stils – können Sie so etwas akzeptieren?
Hörsken Man muss sich fragen, warum die Menschen Politikern immer weniger vertrauen. Antwort: Sie sind Kungelei satt, sie wollen nicht halb informiert sein und erleben, dass Absprachen über alles gehen. Deshalb habe ich vor der CDU das Wort Transparenz betont. Die werde ich einfordern. Beispiele sind aktuell der Diersfordter Bebauungsplan und das Caritas-Projekt am Bahnhof. Hier muss ich doch erst die Rahmenbedingungen nennen und dann sagen, warum habe ich mich so entschieden. So werden wir Akzeptanz und höhere Wahlbeteiligung bekommen.
Anderes Thema: Wirtschaft, Bildung und Führung haben Sie bei der CDU nach vorne gestellt. Energiepolitik und Umwelt kamen nicht vor.
Hörsken Mein wesentliches Thema ist die Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Beispiel: Ich habe mir den Lippemündungsraum angesehen, warum hat sich hier nicht mehr getan? Ansiedlung und die geplante Auenlandschaft gehören hier zusammen. Ich sehe Wirtschaft, Arbeit und Umwelt in direktem Zusammenhang.
Sie wollen mit allen demokratischen Parteien reden.
Hörsken Nicht dazu gehören rechte Gruppierungen. FDP und Grüne bezeichne ich klar als bürgerliche Parteien. Das linke Lager wird in Wesel von der SPD belegt. Ich bin gespannt, wie sich die Linken hier positionieren und wie Frau Westkamp sich zu ihr absetzen will. In Duisburg erlebe ich, wie die Linken im Rat mit der SPD den Gang in die Schuldenfalle weitergehen. Dort regiert Schwarz-Grün, das klappt gut. In Wesel werde ich deshalb außer mit der FDP auch intensiv mit den Grünen reden.
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