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Hamminkeln: Kleines Dorf in der großen Welt

VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 19.05.2007

Hamminkeln (RPO). Dingden hat sich mit seiner Rolle im Kreis der Sieben angefreundet – Wohlfühlen auf der Grenze zwischen Rheinland und Westfalen – Eine blühende Textilindustrie, umgeben von einer herrlichen Naturlandschaft in der Dingdener Heide – Am Donnerstag gibt’s die Sonderseite Dingden

Info

Gewichtige Größe

Dingden ist mit 6760 Bürgern das einwohnerstärkste Dorf in der Stadt. Mit einer Fläche von 41 Quadratkilometern wird der bäuerlich geprägte Ort nur noch übertroffen von Brünen (46).

Politisch ist das katholisch geprägte Dingden fest in CDU-Hand. Die SPD spielt hier traditionell eine untergeordnete Rolle, ist nach der Abspaltung der Unabhängigen Sozialen Demokraten (USD) Mitte der 90er Jahre eine Randerscheinung.

Lange war’s wie das kleine Dorf in Gallien, das mit unbeugsamem Willen listenreich, aber auch klug und geschlossen unliebsamen Zugriffen trotzte: Dingden hat sich oft gewehrt gegen die neue Ordnung und sich innerlich geweigert, die Realitäten anzuerkennen, die die Kommunalreform vor über 30 Jahren geschaffen hatte. Trotz der abgeschmetterten Verfassungsbeschwerde gegen den „Beutezug aus dem Rheinland“ lebte der Widerstand. „Dingden (S)sta(d)tt Hamminkeln“ als formelhafte Überzeugung wirkte in vielen Köpfen und Herzen. Inzwischen ist das Geschichte. Die Dingdener haben ihren Frieden gemacht als Teil der „Sieben unter einem Dach.“

Die Liebe der Dingdener zu ihrem Dorf auf der Schwelle zwischen Rheinland und Westfalen hat das nicht geschmälert. Im Gegenteil. Dingdener sind Poahl-Bürger, tief verwurzelt mit der heimatlichen Scholle. Wie Nikolaus Ridder (36). Der Leiter der Altenpflege-Einrichtung St. Josef-Haus ist in Dingden groß geworden und lebt hier mit seiner Familie. Nur vier Jahre war er weg zum Studium nach Osnabrück, „ein etwas größeres Dorf“. Zu seinen früheren Arbeitsstellen in Köln oder Düsseldorf ist er gependelt.

Überschaubar und vertraut

„Die Vertrautheit“ mag er: Familie, Freunde und Bekannte. Als Vater sei ihm wichtig, dass seine Kinder in einer weitgehend behüteten Umgebung aufwachsen, in einem Dorf, „in dem noch viele junge Familien leben“. Mit landsmannschaftlichen Kategorien hat der fast 37-Jährige nicht viel am Hut. „Ich schätze die konservative Wertorientierung des Westfalen wie die Leichtigkeit des Rheinländers.“

Auch Floristin Christa Scheper hat nur für ein Jahr Meisterschule ihr Dingden verlassen, wo sie vor fast 44 Jahren noch im damaligen Krankenhaus das Licht der Welt erblickte. „Das Dorf ist überschaubar, trotzdem findet sich alles, was es braucht“, sagt die erfolgreiche Geschäftsfrau. Nur ihren Mann hat sie „auf der anderen Rheinseite“ gefunden. Und zahlreiche Kunden jenseits der Ortsgrenze. Sie betont, dass Dingden durch Bahn und Autobahn gut angebunden sei, „ein kleines Dorf mitten in der weiten Welt“. In der sei reichlich Platz für Rheinländer und Westfalen, so Christa Scheper , die sich „zu jung“ fühlt, sich auf eine bestimmte Mentalitätsseite zu schlagen. Selbst Willi Messing (58) kann mit der Unterscheidung nicht viel anfangen. „Was soll das?“ Der Dingdener sei gesellig, in der Regel „in mindestens fünf Vereinen“, sagt der Händler für Bürobedarf, der den „guten Branchenmix mit vielen inhabergeführten Geschäften“ als großes Plus hervorhebt. Dingden biete durch die starke Textilbranche die Chance auf einen Job am Ort. Für reichlich Besuch von draußen sorge die Akademie Klausenhof. Wer Erholung suche, finde ein Stückchen weiter herrliche Natur in der Dindener Heide. „Dingden ist ein liebenswerter Ort, wo es sich gut leben lässt“, meint Willi Messing.

Agnes Küpper (51), in Nordbrock aufgewachsen, sagt, dass in Dingden „die Kirche noch mitten im Dorf steht“. „Man kennt sich und trifft immer jemanden“, so die Chefin im Traditionsgasthof. Die „dörfliche Familie“ hat’s ihr angetan. In der fühlt sie sich wohl, „auch wenn die präsent ist, wenn man lieber allein sein möchte“. Der Wert der Familie zeige sich vor allem in der Not, das habe sie selbst erfahren. Es werde nicht weggeschaut, sondern gefragt: „Wie kann ich helfen?“

Klar, Dingden könne noch mehr Ausstrahlung entwickeln, mit wenigen Mitteln und viel Grün. Der Dingdener an sich sei völlig okay, sagt die Gastwirtin: Neuem gegenüber skeptisch, durchaus spontan, fröhlich und er könne „total gut“ feiern – typische Eigenschaften eines rheinischen Westfalen.

Quelle: RP

 
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