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Wesel: Kliniken fordern mehr Geld

VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 10.09.2008

Wesel (RPO). Das Marien-Hospital und das Evangelische Krankenhaus schließen sich bundesweiten Protesten an. In Berlin werden rund 70 Mitarbeiter bei einer Großdemo gegen das gedeckelte Budget auf die Straße gehen.

Mit medizinischer Versorgung auf höchstem Niveau in breitem Spektrum ersparen die Weseler Kliniken den Patienten weite Wege. Sie fürchten, dass sie wegen der Deckelung nicht mehr die nötigen Mitarbeiter finden. Foto: RPO

Wenn’s ums fehlende Geld geht, rücken die beiden Weseler Kliniken eng zusammen. Das war vor zwei Jahren schon einmal so, doch will man sich mit lokalen Aktionen jetzt nicht begnügen. Die Geschäftsführer Heinrich Schnieders (Marien-Hospital Wesel) und Rainer Rabsahl (Evangelisches Krankenhaus Wesel) kündigten gestern gemeinsam an, dass sie sich an bundesweiten Protesten gegen die Kostendeckelung beteiligen. Rund 70 Mitarbeiter der Kliniken aus Wesel und Emmerich (Willibrord)haben sich bereits zur Fahrt nach Berlin angemeldet. Dort werden etwa 60 000 Krankenhaus-Beschäftigte am 25. September zur Großdemonstration erwartet. Dass die Gewerkschaft Verdi das organisatorische Heft dafür in die Hand genommen hat, stört die Weseler Chefs nicht im geringsten. „Die können das eben“, sagen sie unisono.

Info

Klaffende Lücke

2008 stieg das Budget um 0,64 Prozent. Die Tariferhöhung liegt bei 3,3 Prozent. Für 2009 ist fürs Personal ein Plus von 4,3 Prozent vorgesehen. Das Klinik-Budget soll um 1,41 Prozent steigen.

Das Marien-Hospital rechnet mit einer Lücke von 1,2 Millionen Euro, das Evangelische Krankenhaus mit einer von 750 000 Euro.

Mitarbeiter haben Plus verdient

Schnieders und Rabsahl wollen für ihre Häuser nicht schwarzmalen, denn von roten Zahlen sind sie weit entfernt. Dennoch sei das Ende der Fahnenstange in Sachen Budgetierung längst erreicht. Die Lücke klafft besonders zwischen den Tariferhöhungen beim Personal und dem vergleichsweise mageren Plus beim Budget (siehe Info).

Die Geschäftsführer verteidigen den Lohnzuwachs. Der stehe den Mitarbeitern zweifellos zu, hätten sie doch schon stark unter Arbeitsverdichtung zu leiden. Außerdem werde es immer schwieriger, zu den aktuellen Bedingungen qualifiziertes Personal zu finden, sagten Schnieders und Rabsahl. Angemessene Refinanzierung der Kosten müsse jetzt einfach sein, bekämen die niedergelassenen Ärzte in Deutschland doch jetzt zehn Prozent beziehungsweise 2,7 Milliarden Euro mehr.

Überdies, so die Klinikchefs, würden ständig Eigenmittel eingesetzt. Das Hospital investierte in 20 Jahren 51 Millionen Euro, von denen 27 als Förderung flossen. Mit der Baupauschale von künftig 750 000 Euro im Jahr hätte man gerade mal 15 Millionen bekommen. Bund und Land wüssten um die Missverhältnisse, lägen aber in Fragen der Finanzierung über Kreuz. Die Bundestagsabgeordneten Ilse Falk (CDU) und Dr. Hans-Ulrich Krüger (SPD) hätten beim Pressegespräch gestern dabei sein sollen, waren aber wegen der aktuellen Berliner Ereignisse verhindert. Immerhin, so Schnieders und Rabsahl, hätte die Politik versichert, was tun zu wollen. Fraglich ist nur, was. 30 Prozent der Krankenhäuser würden bereits von Existenzängsten geplagt. Die beiden Weseler, zusammen der größte Arbeitgeber am Ort, haben diese Nöte nicht. Noch nicht, wie die Geschäftsführer sagen und die Verpflichtung zur Versorgung der Bevölkerung ins Feld führen. Mit Blick auf den Gesundheitsfonds fordern sie schnelles Handeln.

Quelle: RP

 
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