Wesel: Knister kämpft gegen die Stadt
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 20.09.2008Wesel (RPO). Kinderbuchautor Ludger Jochmann („Knister“) gibt nicht auf. Er klagt vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf gegen die gestartete Bebauung am Aaper Weg in Obrighoven. In der Weseler Behörde herrscht Gelassenheit.
Vor genau zwei Jahren ist Ludger Jochmann mit seiner heldenhaften Hexe Lilli gegen die Stadt in den Kampf gezogen. Jetzt bietet der als Knister bekannte Weseler Kinderbuchautor den Rechtsanwalt Christoph Gallina (HTM Meyer Venn & Partner, Hamminkeln) auf. Der hat vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf Klage gegen die Stadt Wesel erhoben. Ziel: Baustopp und Überprüfung des Bebauungsplans am Aaper Weg.
„Oberscheußliche Laternen“
„Hier werden Fakten geschaffen“, sagt Jochmann und schimpft über den bereits gestarteten Bau des ersten Hauses. Es liegt genau in seiner Sicht auf freiem Feld. Und er sei nicht der Einzige, der sich weiter aufregt. Bei der Bürgerversammlung vor zwei Jahren war der Ratssaal voll und die Ablehnung zu den Plänen groß. Jochmann beklagt, dass sich die Stadt, namentlich Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, über Bürgerwillen hinweggesetzt habe und ein Natur-Kleinod durch Zersiedelung zerstört werde.
Große Grundstücke
Die Stadt will am Aaper Weg betuchten Bauherren aus den Management große Grundstücke für Einfamilienhäuser anbieten.
Ludger Jochmann hält dagegen, dass allein in seiner näheren Umgebung drei bislang unverkäufliche Häuser stünden, die man für Neubauten abreißen könne.
Vor vier Wochen, so Jochmann weiter, seien neue, zudem „oberscheußliche“ Straßenlaternen in Betrieb genommen worden, die nun nachts sinnlos den Acker beleuchteten. „Hohn und Provokation“, sagt der Autor. Seine Zielscheibe sei die Verwaltung, nicht der Bauherr. „Die armen Leute, die da jetzt bauen, können nichts dafür. Es geht um das, was die Stadt da geplant hat“, sagt Knister. Sein Rechtsanwalt Christoph Gallina rechnet bereits in der kommenden Woche mit einer vorläufigen Entscheidung des Verwaltungsgerichts Düsseldorf.
Im Weseler Rathaus ist die eigentliche Klage noch nicht angekommen, aber ein Eilantrag. Dem werde „natürlich nicht entsprochen“, sagt Fachbereichsleiter Michael Klessa. „Denn wir halten unsere Baugenehmigung und den Bebauungsplan des Gebietes weiter für korrekt.“ Gelassen bleibt der Mann vom Amt schon deshalb, weil er wegen der protestreichen Vorgeschichte mit einer Klage Jochmanns gerechnet hat. Argumente, es sei schon vor Rechtskraft der Pläne mit Bautätigkeit begonnen worden, lässt er nicht gelten. Im Baugesetz, so Klessa, sei geregelt, dass bei so genannter Planreife durchaus schon eine Baugenehmigung erteilt werden könne. Klessa: „Die Planreife war gegeben, weil das Verfahren inhaltlich abgeschlossen war.“
Mag sein, dass Knister unterliegt. Er fühlt sich „abgebügelt“ und meint: „Einer muss nein sagen.“
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