Wesel: Kräuter, Moor, Wald und Beton
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 24.04.2007Wesel (RPO). Mit der RP durch das Gartenjahr (2): Wie wirkt der Sommereinbruch ? Kann man seine grüne Oase sich selbst überlassen ? Wir besuchten den Naturgarten der Familie Schürmann in Bislich, fragten Land- und Forstwirtschaft.
Besitzer von Topfgärten oder begrünten Terrassen in der Innenstadt haben in diesen heißen Apriltagen reichlich Kannen geschleppt. Auch vor „richtigen“ Gärten hat der unverhoffte Sommereinbruch nicht Halt gemacht. Etwas anders sieht das in einer geplanten Wildnis aus. Marianne und Johannes Schürmann haben in Bislich eine solche Scholle, deren wahrer Trumpf die Artenvielfalt ist. Sicher, der Teil mit Gemüseaussaat und einige Topfpflanzen brauchen künstliche Bewässerung. Aber der große Rest kommt gut ohne aus.
Der ausgesprochen idyllische Naturgarten macht knapp die Hälfte der rund 5000 Quadratmeter messenden Schürmann-Fläche aus. Aber kann man ihn sich selbst überlassen ? „Dass ein Naturgarten keine Arbeit macht, ist ein Irrglaube“, sagt Schürmann. „Man muss gut beobachten, ob er sich nach seinen Vorstellungen entwickelt.“ Diese Vorstellungen, was wohin kommt, hatte er „bei jeder Schubkarre im Kopf“. Denn beim Umbau des Elternhauses fiel vor Jahren allerlei Bauschutt an. Mit dem ist das Gelände gestaltet worden. Man sieht fast nichts davon.
Offene Pforte
Zum dritten Mal öffnet die Familie Schürmann, die dem Verein Naturgarten angehört, ihre Pforte für Besucher in Bislich, Loh 5. Und zwar am Samstag, 2. Juni, von 10 bis 17 Uhr. 14 Künstler, Kunsthandwerker, Vereine und Gruppen wirken mit. Es gibt selbstgemachte Marmelade, Likör, Honig, Seife, Keramik, Malerei, eine Einführung in die Naturfotografie, Leckeres vom Eine-Welt-Laden und mehr.
Überlebenschance für Wildblumen
Moos hat Betonbrocken ein grünes Kleid gegeben. Aus Sand und Kies der backsteingefassten Wege sprießen munter Pflänzchen, die jeder „ordentliche“ Gärtner längst ausgemerzt hätte. Schürmann versteht seine Oase anders. Heimische Wildblumen und -kräuter sollen hier eine Überlebenschance haben. Dabei fasst er „heimisch“ sehr weit. Europäisch. Salbei, Lavendel, Thymian – in einem Kiesbeet steht auch mediterranes Grün. Blau blühende Diesteln haben ebenso eine Refugium wie gelber Löwenzahn und Frühlingsfingerkraut, Kornblumen, Stinkender Storchschnabel oder die rote Spornblume.
„Das finden Sie in keinem Gartencenter“, sagt Schürmann und wandert von einer Biotopform zur nächsten. Den Teich rahmt eine Trockenmauer ein, die ebenso vielen interessanten Arten einen Lebensraum bietet wie ein raffiniertes Moorbeet. Dahinter teilt eine Wildrosenhecke den „Wald“ ab. In dem bahnt sich eine Kletterrose den Weg in die Krone einer allmählich absterbenden Birne. Den Hintergrund bildet das Silberblatt – mit weißen und violetten Blüten.
Was in diesem Frühjahr viel Arbeit gemacht hat, liegt am Wegesrand. Orkan „Kyrill“ hat unter anderem eine dicke alte Zeder geknickt. Teichfolie und ein Stück Dach hatten zu leiden. Das Holz liegt jetzt im Wald. Gestapelt oder als Einfassung von Hügelchen. Ganz am Rand liegt Schürmanns Antwort auf Osterfeuer oder Grünschnittsammlungen: ein langer Wall von geschichteten Ästen und Zweigen. Das geht natürlich alles nur, wenn man Platz hat. Die meiste Arbeit, so Schürmann, ist getan. Trockene Pflanzen sind abgeräumt, der Nutzgarten ist umgegraben und eingesät. Aufpassen bleibt angesagt. Denn in diesem verrückten Frühjahr kommt alles drei bis vier Wochen früher aus der Erde. Der Oleander-Kübel hätte gar nicht erst ins Haus gemusst. . .
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




