Wesel: Kunst kommt aus dem Automaten
VON CORNELIA KRSAK - zuletzt aktualisiert: 16.08.2010Wesel (RPO). Weiter ging's am Samstag mit der "Ab in die Mitte"-Aktion in der City – nach der letzten Stadtwette-Schlappe diesmal mit einem gelungenen Wettbewerb und Kunst zum Vier-Euro-Schnäppchenpreis. "art2go" heißt das Projekt und bietet Kunst im Kleinformat zum Mitnehmen.
Kunstwerke kauft man normalerweise nicht im Vorbeigehen beim Stadtbummel ein. Das wird ab kommenden Samstag anders. Dann wird in der Fußgängerzone ein Kunstautomat aufgestellt, aus dem Passanten sich für vier Euro in Schachteln verpackte Kunstwerke ziehen können. "art2go" heißt die Aktion im Rahmen von "Ab in die Mitte 2010". Eine Woche vor der feierlichen Enthüllung trafen sich die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler am Bauwagen "Eva Brinkman", um den Kunstautomaten mit ihren Werken zu bestücken. Bis zu 250 Päckchen passen in den ehemaligen Zigarettenautomaten, der von Anne Kunze und Ron Franke künstlerisch gestaltet wurde. "Die Künstler arbeiten ehrenamtlich und stellen ihre Kraft und ihr Material kostenlos zur Verfügung", sagt Sylke Bergmann, die das Projekt mit Anne Kunze initiiert hat. Die Idee dahinter ist, einen "barrierefreien" Zugang zur Kunst zu ermöglichen.
Westkamp wettet
Am Samstag, 21. August, laden die Künstlerinnen Ursula Bröcheler, Karin Denecke und Lisa Frenthoff-Köpp zum "Kaffeeklatsch" im Bauwagen "Eva Brinkman" ein 11.30 bis 17 Uhr. Das Antiquitäten-Café Minchen sorgt für kunstvolles Zuckerwerk und Kaffee.
Details zur Stadtwette (diesmal von Bürgermeisterin Westkamp) werden noch bekanntgegeben.
Überraschung statt Zigaretten
"Die Leute müssen nicht erst in eine Galerie oder ins Bühnenhaus gehen, um Kunst zu sehen", erklärt Kunze. Der gesamte Erlös aus dem Automaten-Verkauf kommt der Bürgerstiftung Krea(k)tiv zugute. Für den guten Zweck haben 22 Künstler kleine Bilder gemalt und gezeichnet, Skulpturen im Mini-Format erstellt, Gedichte geschrieben oder sonstige überraschende Objekte in Schachteln verpackt.
Schmuckdesignerin Lydia Hartmann hat unter dem Motto "Mit allen Wassern gewaschen" kleine Fläschchen mit Wasser aus Rhein, Lippe und Issel gefüllt. Die "Kleinen Welten" von Kirsten Bruderek werden von Insekten bevölkert – gemalt oder als witziges Daumenkino aus digital bearbeiteten Fotos. Uschi Stockhausen hat chinesische Schriftzeichen auf Mini-Leinwände gepinselt und Wissenswertes zur Bedeutung beigelegt. Im Kleinformat zu arbeiten, ist für die meisten Künstler eine Herausforderung.
"Es muss ja auch noch in die Schachtel passen", sagt Kunze. Den Automaten haben die Künstler im Internet ersteigert. Der Clou: Wer ein Kunstwerk aus dem Automaten zieht, weiß vorher nicht, was er bekommt. "art2go" ist als langfristiges Projekt geplant. Wenn die Kunst in der Schachtel gut ankommt, sollen weitere Automaten in der City aufgestellt werden. Um diese zu bestücken, gerne auch mit Poesie oder Musik auf Mini-CD, braucht es mehr kreative Köpfe mit Ideen. Schachtel-Rohlinge sind bei Wesel Marketing am Großen Markt erhältlich.
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