Wesel: Ladenhüter Büroflächen
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 03.03.2009Wesel (RPO). Vermieter von Büroräumen haben's schwer: Das Angebot in Wesel ist schon seit Jahren groß, die Nachfrage gering. Die Firma ATS versucht mit einer neuartigen "Flatrate-Miete" Interessenten zu finden.
Für Herbert Heising und Michael Locker war es keine Frage, dass sie die 170 Quadratmeter Bürofläche im Obergeschoss ihres neuen ATS-Firmengebäudes im Lippemündungsraum schnell vermieten würden. Zwei Jahre sind seitdem ins Land gegangen. Und noch immer stehen die Räume leer. In dicken Lettern steht auf der Glasfassade der Autoteile- und Reifenfachhandlung "Zu vermieten". "Das Angebot in einfach größer als die Nachfrage", weiß Herbert Heising. "Man muss halt mit neuen Ideen versuchen, Mieter für sich zu gewinnen." Er und sein Geschäftspartner hoffen, dass sie mit ihrer "Flatrate-Miete", bei dem alle Nebenkosten bereits im Mietpreis enthalten sind, Interessenten für ihre vier modern ausgestatteten Büroräume zu bekommen.
50 Angebote im Netz
Auf der Internetseite der Weseler Wirtschaftsförderung können sich Interessenten (auch Makler) kostenlos über derzeit rund 50 leerstehende Ladenlokale, Gewerbe- und Büroflächen in der Kreisstadt informieren.
Ohne EDV-Vernetzung läuft nichts
Wie den ATS-Geschäftsführern geht es in Wesel vielen Vermietern. Vor allem für Büroflächen, die nicht dem neuesten Standard entsprechen, gibt es kaum Interessenten. Ein Trend, den Insider schon seit Jahren beobachten. "Es gibt einfach zu viel Angebote und zu wenig Nachfrage. Und jetzt kommt auch noch die Krise dazu", sagt Volker Meininghaus, Geschäftsführer von Immobilien Tinnefeld in Wesel. Wichtig bei der Vermietung sei nicht unbedingt die Lage des Objektes, sondern die Ausstattung. "Wer Räume ohne EDV-Vernetzung anbietet, muss Abstriche bei den Preisen machen."
Besonders auffällig sind im Stadtbild die vielen freigewordenen Büroflächen an der Dinslakener Landstraße, Leerstände oberhalb von Rewe Blankennagel und im Telekom-Gebäude an der Philipp-Reiss-Starße in Obrighoven. Seit Jahren schon werden dort auf Großplakaten Flächen angeboten. Wenig erfolgreich. "Von den 20 000 Quadratmetern Fläche sind gut 3000 frei", erklärt eine Sprecherin der Firma Corpus Sireo, die bundesweit mit der Vermietung von Telekom-Immobilien beschäftigt ist. Man hoffe, dass man mit einer kleinteiligen Vermietung der Flächen zum Erfolg komme.
Doch trotz der Nachfrageflaute gibt es auch Beispiele für erfolgreiche Vermietungen. Meist sind dafür aber erhebliche Investitionen des Vermieters nötig. So wie bei der Sanierung des ehemaligen Arbeitsamtes an der Moltkestraße, in dem viele Jahre die Immobilienabteilung der Verbands-Sparkasse ihren Sitz hatte. In den schmucken Backsteinbau wird nach Ende der Bauarbeiten das Forstamt ziehen, das derzeit noch am Nordglacis residiert. "Vorteil dieser Immobilie sind die zentrale Lage und die Pkw-Parkplätze", sagt Jens Ostermann-Schelleckes, Chef der Immobilien-Abteilung. Generell seinen Objekte besser vermietbar, in denen auf Barrierefreiheit Wert gelegt werde, weiß der Immobilien-Experte.
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