Hamminkeln: Landfrauen lassen Pfunde purzeln
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 28.03.2009Hamminkeln (RPO). "Der Speck muss weg für'n guten Zweck": Abnehmaktion der Landfrauen in Loikum, Mehrhoog und Töven für Kinderkrebshilfe läuft gut. Um über 50 Kilo haben sie sich bereits erleichtert. Einige haben's in Muskeln angelegt. Sponsoren müssen kräftig zahlen. Der mentale Gewinn ist beachtlich.
Abnehmen macht Spaß und bildet. Nach vier Wochen Fasten ziehen die findigen Landfrauen aus Loikum, Mehrhoog und Töven gut gelaunt eine ausgesprochen positive Zwischenbilanz ihrer Aktion "Der Speck muss weg für 'nen guten Zweck". 32 Mädels haben sich Ende Februar beim Start der gruppendynamischen Diät auf die traktor-taugliche Waage der Warengenossenschaft an der Güterstraße gestellt, um das Ausgangsgewicht zu ermitteln. Sie haben's ordentlich purzeln lassen. 53,9 überflüssige Kilo (2,2 Kilo im Schnitt) hatten sich bis Mitte der Woche verflüchtigt, berichtete Bettina Winkelmann nach einem Check, an dem sich 24 Landfrauen beteiligt haben.
Heute zählt's
Heute treffen sich die Landfrauen im RGH an der Raiffeisenstraße zum "Abstempeln". Das dabei gemessene Gewicht ist Basis für die Abrechnung mit den Sponsoren. Samstag, 4. April, wird auf der Waage der Genossenschaft in Wertherbruch Finale gefeiert.
Die Landfrau aus Töven führt genau Buch über den Erfolg der Gruppe. Sensible Einzeldaten rückt die Buchhalterin mit strengem Verweis auf den Datenschutz nicht raus. Dennoch dürfen sich die Sponsoren, die jedes verlorene Pfund mit einer Spende für die Kinderkrebshilfe aufwiegen, darauf einstellen dass sie tief in die Tasche greifen müssen.
Watt kost datt Pund Speck?
So auch Bürgermeister Holger Schlierf. Den hat Chef-Landfrau Petra Baasch als Gönner für die gute Sache gewonnen hat. "Was soll das Pfund Speck kosten", lautete anfangs die bange Frage des notorisch klammen neuen kommunalen Finanzmanagers. 40 Euro bringt jeder Strich, den Petra Baasch auf der Waage nach links macht. Der Bürgermeister muss nicht fürchten, sich ins Zwangskorsett der Haushaltssicherung quetschen zu müssen. Denn er ist nur ein Sponsor unter mehreren. Indes geht die Landfrauen-Chefin bei der Magerkur mit gutem Beispiel voran. Fünf Kilo fehlen ihr bereits.
Ihr Erfolgsrezept auf der Flucht vor den persönlichen Fettfallen: nix Süßes, kein Alkohol, keine Mahlzeit mehr am Abend, magere Milchprodukte, die die Fettverbrennung fördern. Und Schüsslersalze, die den Verbrennungsofen optimal anheizen. "Mit Schüssler geht's viel besser als bei meinen Heilfasten-Versuchen", erzählt Petra Baasch. Selbst die morgendliche Butterstulle vorm Gang in den Kuhstall ("schmeckt göttlich") mache so kein schlechtes Gewissen. "Ich nehm' ja trotzdem ab. Et löpt van alleen."
Nicht allein Schüssler ist das Salz in der Fettweg-Suppe. Mentales Training sei der Grund aller Selbstauflösung. Die Boris-Becker-Weiheit, dass Erfolg im Kopf beginnt, wandelt Landfrau Elke Arntzen lachend in die esoterische Erkenntnis, dass "Materie dem Geist folgt". Positiv Denken ist Pflicht: "Ich bin schlank." Doch Geist allein bewegt wenig. Die Landfrauen sind mächtig ins Schwitzen gekommen, haben die Hürde zum Fitnesstudio auch im Alter locker genommen, sind hinterm Hof nicht mehr als Spaziergängerin, sondern walkend oder mit Stock nordic unterwegs.
Verlockung des Schweinehundes
Der Druck der Gruppe wird nach Weight Watchers' Vorbild als hilfreich empfunden. "Es macht riesigen Spaß zusammen", sagt Waltraud Verbücheln. Der Team-Spirit mache auch vermeintliche Rückschläge erträglich. Eine, der Name ist selbst der Redaktion nicht bekannt, hat gar 200 Gramm zugelegt. "Das Fett ist in Muskelmasse umgewandelt", heißt es politisch korrekt.
Damit nicht der Jo-Jo-Effekt den Erfolg für die gute Sache am Ende schmälert, haben sich die kalorienbewussten Damen einen ständigen Begleiter zugelegt, der sie bei jeder Gelegenheit in Versuchung bringt: der innere Schweinehund als Spardose für spontane Spender. Der hat schon ordentlich Fett angesetzt.
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