Kreis Wesel: Landrat lässt sich feiern
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 05.01.2008Kreis Wesel (RPO). 25 Jahre im öffentlichen Dienst: Das ist Verwaltungschef Dr. Ansgar Müller eine Ehrung durch den Regierungspräsidenten wert. Kreis-Politiker reagieren gleichmütig oder belustigt, aber auch erbost.
2008 hat kaum angefangen, da lässt 2009 schon grüßen: Der Kommunalwahlkampf hat begonnen. Auffällig oft hat Landrat Dr. Ansgar Müller (SPD) in den letzten Wochen jede Möglichkeit genutzt, auf sich aufmerksam zu machen. Am Dienstag nun reist Genosse Jürgen Büssow als Regierungspräsident an, um Müller in einer Feierstunde für 25 Jahre im öffentlichen Dienst zu ehren. Ist das normal ? Die RP hörte sich um:
Josef Devers wird bei dem Empfang relativ gleichmütig die CDU vertreten: „Wir haben eine Einladung bekommen, und es ist gute Sitte, als größte Fraktion da aufzutauchen. Es ist eine Frage, wie hoch man so was hängt. Er ist ja nicht 25 Jahre Landrat.“
Spenden fürs Hospiz
Zu seiner Feierstunde am Dienstag ab 14 Uhr erwartet der Landrat 50 Gäste. Anstelle eventueller Geschenke bittet er um Spenden fürs Rheinberger Hospiz „Haus Sonnenschein“, Kto.-Nr. 1101 161 691 bei der Sparkasse am Niederrhein (BLZ 354 500 00), Stichwort „Jubiläum Landrat Dr. Müller“.
Hubert Kück (Grüne): „Ich gehe hin, denn man ist ja eingeladen. Aber es ist eine Feier, die so nicht notwendig ist. Ich meine sogar, dass man eine Urkunde anfordern muss, wenn man sie haben will. Man sollte sich jedenfalls nicht wichtiger nehmen, als man ist.“
Dr. Michael Terwiesche (FDP) wird deutlicher: „Wir werden alles daran setzen, dass er bald nicht mehr Landrat des Kreises Wesel ist. So eine Feier während der Arbeitszeit ist unangemessen und eine Verschwendung von Steuermitteln.“
Martin Kuster (VWG) hat keine Meinung zu dem Thema, geht aber auch nicht hin, weil er arbeiten muss: „Außerdem kenne ich ihn ja erst drei Jahre.“
Klaus Hüls (Personalratsvorsitzender): „Das ist normalerweise für Beschäftigte gedacht und war früher mit einer Zuwendung verbunden. Für viele hat das heute nicht mehr den Stellenwert wie für preußische Beamte alter Schule.“
Für Dr. Ansgar Müller (49) selbst ist es insofern nicht normal, als er es für selten hält: „Wenn jemand Chef ist, hat er 25 Jahre meist hinter sich oder ist beim nächsten Jubiläum für 40 Jahre schon in Pension.“ Büssow als Laudator zu nehmen, war für ihn „naheliegend“, denn Ehrung ist Chefsache. Ein Landrat hat keinen Chef. Also wurde der Chef der Aufsichtsbehörde bemüht. Natürlich, so Müller, obliege es jedem einzelnen, ob und wie er sein Jubiläum feiert, aber es sei etwas, das Arbeitgeber oder Dienstherr würdigen sollten. Feste Nahrung der Kaffeetafel am Dienstag habe er auf eigene Kosten bei den Landfrauen geordert. Die flüssige Kost zahle der Kreis. – Na dann, prost!
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