Schermbeck: Legionellen in zwei Sporthallen
VON GERD HEIMING - zuletzt aktualisiert: 10.09.2008Schermbeck (RPO). Duschräume wegen Gesundheitsgefahr gesperrt: Zum zweiten Mal binnen eines Jahres wurden Bakterien in der Dreifach-Sporthalle entdeckt. Auch die Kolbe-Grundschule ist betroffen. Fachfirma desinfiziert Leitungen.
Ein Jahr war Ruhe, jetzt ist das Warmwasser-System in der Schermbecker Dreifach-Turnhalle an der Gesamtschule (Erler Straße) erneut von Legionellen befallen. Mehr noch: Auch in der Turnhalle der Maximilian-Kolbe-Grundschule (Schienebergstege) wurden die Bakterien nachgewiesen. Die Verwaltung sperrte die Duschräume in beiden Gebäuden. Dies geschah bereits am Montag vergangener Woche. Gestern bestätigte die Verwaltung beide Fälle auf RP-Anfrage. Sportvereine und beide Schulen seien informiert worden, hieß es. Sport ist weiterhin möglich.
Konzentration „heftig“
Ausweich-Quartier
Die kleine Halle an der Gesamtschule kann weiterhin uneingeschränkt genutzt werden. Die Handballer des SV Schermbeck hoffen, dass sie ihrer Gastmannschaft die dortigen Duschen am Wochenende anbieten kann.
Der SVS trainiert weiter in beiden Hallen – nur Duschen geht nicht.
Bei einer Routine-Untersuchung im Auftrag des Hygiene-Instituts Gelsenkirchen wurden die Legionellen nachgewiesen. Es seien stellenweise über 10 000 Bakterien pro 100 Milliliter festgestellt worden, sagte Wolfgang Becker vom Kreis-Gesundheitsamt. Diese Konzentration sei „schon heftig“ und berge gesundheitliche Risiken.
Legionellen werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Bei 30 bis 45 Grad vermehren sie sich besonders gut. Sie können das Pontiacfieber mit Kopf-, Glieder- und Brustschmerz sowie Fieber verursachen. Die Inkubationszeit beträgt ein bis zwei Tage, nach fünf Tagen klingen die Beschwerden von selbst ab. Gefährlich ist die Legionellose mit Lungenentzündung (Legionärskrankheit), die zwei bis zehn Tage nach der Infektion beginnt. Sie geht mit hohem Fieber einher.
Ab etwa 60 Grad werden die Legionellen abgetötet. Offenbar wird diese Temperatur in den Leitungen der beiden Hallen nicht zuverlässig erreicht. „Wir haben noch keine Erklärung dafür, warum das Problem in der Dreifach-Sporthalle erneut aufgetreten ist“, sagte Amtsleiter Mike Rexforth. Dort waren die Duschräume von Mitte August bis Anfang Oktober 2007 dicht. Damals seien tote Leitungsstränge, in denen sich Brutherde der Legionellen halten können, geprüft worden, so Rexforth.
Jetzt wurde erneut eine Fachfirma beauftragt, der Sache nachzugehen. Erster Schritt ist eine thermische Desinfektion: Die Leitungen werden über mehrere Tage mit 70 bis 80 Grad heißem Wasser gespült, um die Bakterien abzutöten. Danach wird das Wasser erneut untersucht. Wolfgang Becker sagte, bei dauerhaften Auffälligkeiten müsse eventuell die gesamte Technik erneuert worden. Sie ist in der Dreifach-Halle über 30 Jahre alt.
Rexforth geht davon aus, dass die Duschen bis mindestens Ende September nicht zur Verfügung stehen.
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