Wesel: Lotsen im Lehrstellen-Dickicht
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 19.01.2010Wesel (RPO). Um Schülern Wege ins Berufsleben zu ebnen, arbeitet die Konrad-Duden-Realschule intensiv mit Arbeitsagentur, Unternehmerverband und Weseler Firmen zusammen. Orientierungs-Projektwoche mit Workshops kommt gut an.
Ausreichend Stellen
Trotz der angespannten Wirtschaftslage geht Dr. Peter Glück, Chef der Weseler Arbeitsagentur, davon aus, dass es für "jeden ausbildungsfähigen Schüler eines Jahrgangs auch eine Lehrstelle in der Region gibt". Lediglich 100 junge Leute am Niederrhein habe man 2009 nicht vermitteln können.
Das langfristig angelegte Berufsorientierungsprojekt an der Duden-Realschule wird von der Arbeitsagentur mit 90 000 Euro gefördert.
Schleichend hat sich in den vergangenen fünf, sechs Jahren ein bedenktlicher Trend entwickelt. Statt sich mit dem Zeugnis der Mittleren Reife um eine Lehrstelle zu bemühen, zieht es ganze Entlassklassen im Kollektiv zum Weseler Berufskolleg. Aus Bequemlichkeit oder auch in der trügerischen Hoffnung, mit einem höheren Abschluss seine Chancen auf dem Ausbildungsmarkt zu verbessern.
Gute Mittlere Reife reicht völlig
"Dabei sind in vielen Fällen die Noten hinterher schlechter, was sich bei Bewerbungen negativ auswirkt", weiß Ulrike Moll, die in der Weseler Konrad-Duden-Realschule für den Bereich Berufsorientierung zuständig ist. "Zumal ein guter Realschulabschluss für fast alle Lehrberufe reicht", ergänzt Dr. Peter Glück, Chef der Weseler Arbeitsagentur.
Besagten Trend umzukehren und Schulabgängern einen Weg durch den immer komplizierter und vielschichtiger werdenen Markt der Berufsmöglichkeiten zu ebenen, ist Ziel einer in dieser Form erstmals organisierten Projektwoche, die derzeit in der Jahrgangsstufe neun der Duden-Realschule läuft.
Auf Initiative des in Duisburg beheimateten Unternehmerverbandes ("Wir übernehmen die Koordinierung, bringen Schüler und Betriebe zusammen") haben Vertreter von sieben Unternehmen (Aldi, Byk-Chemie, Clyde-Bergemann, Edeka Komp, Hotel Tannenhäuschen, Marketingagentur mpt, Rechenzentrum Heilberufe, Tischlerei Fingerhut) den Schülern Einblicke in die Arbeitswelt gewährt und Schnupperpraktika angeboten. "Auf diesem Weg hoffen wir in Zeiten des demographischen Wandels gute Lehrlinge für unser Unternehmen zu gewinnen", sagt Thorsten Rogmann von Clyde-Bergemann. Und in vier Workshops geben Berufsberater und Personaltrainer des Unternehmerverbandes Tipps zu Anschreiben und Lebenslauf, zu Einstellungstests und wie man sich beim Vorstellungsgespräch benimmt und bestmöglichst verkauft.
Praktika empfehlenswert
"Die Workshops haben mir viel gebracht – man kann sie nur weiterempfehlen." Pia Lohmeier aus der 9b ist begeistert. Die 16-Jährige aus Flüren hat, anders viele andere, schon klare Vorstellungen, was sie nach Klasse zehn machen will. "Eine Lehre zur Krankenschwester. Und danach möchte ich als OP-Schwester arbeiten." Der Besuch eines Tages der offenen Tür im Evangelischen Krankenhaus hat sie in ihrem Wunsch bestärkt. "Und eine Bewerbung um ein Praktikum in einer Arztpraxis war auch schon erfolgreich."
Positive Rückmeldungen von Schülern hat Ulrike Moll mehrere erhalten. "Deshalb planen wir, diese Projektwoche künftig jeder neunten Jahrgangsstufe anzubieten", sagt die Mathematiklehrerin. Wie in der Realschule-Mitte, so sollen demnächst auch Eltern von Duden-Realschülern ihre Berufe vorstellen. Außerdem will die Schule Firmen zu einem runden Tisch einladen.
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