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Wesel: Loveparade: "Bedürfnis, zu reden, ist groß"

zuletzt aktualisiert: 31.07.2010

Wesel (RPO). Kreis Wesel Pfarrer Joachim Wolff aus Wesel-Büderich ist heute im Duisburger Tunnel als Notfallseelsorger im Einsatz.

Pfarrer Joachim Wolff ist als Notfallseelsorger in Duisburg im Einsatz.  Foto: RPO
Pfarrer Joachim Wolff ist als Notfallseelsorger in Duisburg im Einsatz. Foto: RPO

Im Gespräch mit RP-Redakteurin Julia Nakötter berichtet der evangelische Geistliche, der bereits am Donnerstag vor Ort war, von Begegnungen mit Angehörigen, Verletzten und Eltern, die den Ort der Loveparade-Katastrophe aufgesucht haben.

Was haben Sie am Donnerstag im Tunnel erlebt?

Wolff Zunächst musste der Tunnel kurzzeitig für eine kriminaltechnische Untersuchung der Kripo geschlossen werden. Danach strömten die Menschen wieder an den Ort des Geschehens. In den Stunden, die ich am Nachmittag dort war, waren immer wieder 150 bis 300 Menschen vor Ort. Augenzeugen, Verletzte und auch Eltern haben mich angesprochen.

Wie waren Sie zu erkennen?

Wolff Alle Notfallseelsorger tragen eine violette Jacke und signalisieren damit: Wir sind da. Die Menschen sehen uns, kommen auf uns zu und sprechen uns an. Die Verweildauer im Tunnel ist lang. Viele schauen sich die Unglücksstelle an, zünden eine Kerze an, um in sich zu gehen, oder lesen die Texte, die bislang auf Plakaten und Tüchern niedergeschrieben worden sind.

Wie intensiv waren die Gespräche?

Wolff Die Gespräche mit den Angehörigen waren sehr intensiv. Augenzeugen, die unmittelbar in der Nähe der Toten gewesen sind, und auch Eltern, die ihre Kinder vermisst haben, hatten das Bedürfnis, ihre Erlebnisse zu schildern. Auch Verletzte haben den Weg in den Tunnel gesucht – einige erst jetzt, nach einer langen Zeit des Überlegens. Sie waren sich unsicher, ob sie an den Ort der Katastrophe zurückkehren sollen.

Wie groß ist das Bedürfnis mit einem Notfallseelsorger zu sprechen?

Wolff Man spürt, wie stark die Seelen der Menschen verletzt wurden. Und daher war es gut, dort als Seelsorger zu sein. Viele Betroffene haben gemerkt, dass es ihnen gut tut, über das Erlebte zu sprechen. Das Bedürfnis, sich jemandem mitzuteilen, der es auch aushalten kann, ist sehr groß.

Und heute sind Sie wieder vor Ort?

Wolff Ja, ab 10 Uhr und somit zeitgleich zum offiziellen Gedenkgottesdienst in der Salvatorkirche, der um 11 Uhr beginnt. Ich vermute, dass viele Menschen vor und nach dem Gottesdienst zum Ort der Katastrophe kommen werden, um zu gedenken. Mehrere Kirchen in Duisburg öffnen heute zudem ihre Pforten und zeigen die TV-Übertragung aus der Salvatorkirche.

Wie verarbeiten Sie das Gehörte?

Wolff Als Pfarrer habe ich die Möglichkeit an einer Supervision teilzunehmen. Für alle Notfallseelsorger wird es zu einem späteren Zeitpunkt eine Reflexion geben. Wichtig ist, dass die Familie hinter einem steht. Wenn ich zu Hause bin, versuche ich, Abstand zu gewinnen.

Infos unter www.ekir.de

Quelle: RP

 
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