Wesel: Loveparade: "Das Vertrauen ist gebrochen"
zuletzt aktualisiert: 17.08.2010Wesel (RPO). Pfarrer Joachim Wolff aus Büderich war nach der Loveparade-Katastrophe im Duisburger Tunnel als Notfallseelsorger im Einsatz. Im Gespräch mit RP-Redakteurin Julia Nakötter äußert sich der evangelische Geistliche – drei Wochen nach der Katastrophe mit 21 Toten und 500 Verletzten – zu den Auseinandersetzungen um die Schuldfrage.
Bis zum Prozessbeginn können Jahre vergehen. Was bedeutet dies für die Angehörigen der Loveparade-Opfer?
Wolff Für diese Angehörigen, aber auch für Trauernde, die einen nahestehenden Menschen zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall verloren haben, ist es immer quälend, wenn die Schuldfrage noch offen im Raum steht. Für die meisten Betroffenen steht allerdings nicht die Schuldfrage im Vordergrund, sondern die Trauer über den Verlust.
Wie empfinden die Angehörigen die Diskussion über die Schuldfrage?
Wolff Viele haben mir berichtet, dass sie das Hin- und Hergeschiebe der Schuldfrage als unerträglich und nicht befriedigend empfinden.
Was hat die Trauernden am meisten getroffen?
Wolff In Gesprächen wurde immer wieder das Verhalten der Verantwortlichen am Tag nach der Katastrophe, also während der Pressekonferenz, genannt. Das Vertrauen der Menschen, die bei einem gesicherten Ereignis Spaß haben wollten, ist an dem Sonntag zusätzlich zutiefst erschüttert, wenn nicht gar gebrochen worden. Den Beteiligten bei Stadt und Veranstalter wird übelgenommen, dass sie beteuern, alles richtig gemacht zu haben.
Hinzu kam die Schuldzuweisung an die Besucher der Loveparade.
Wolff Dabei sind die Opfer zu Tätern gemacht worden. Das ist ein Verhalten, das ich als Seelsorger zutiefst ablehne. Für die Trauernden wäre es hilfreich gewesen, wenn die Verantwortlichen gesagt hätten: Wir haben Fehler gemacht.
Drei Wochen nach der Katastrophe rücken die Opfer in weite Ferne.
Wolff Der öffentliche Fokus ist weg von den Betroffenen und Angehörigen, und auch von den Belastungen, denen die Rettungskräfte ausgesetzt waren. Viele brauchen noch weitere Begleitung und Gespräche und nicht wenige professionelle therapeutische Hilfe.
Bei welchen Seelsorgern gibt es Hilfe?
Wolff Bis Ende September unter den Rufnummern 0151 18611897, 02841 100145 oder 08841 1071.
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