Wesel: Lust und Last der Lehrlinge
VON MEIKE BERGMEIER - zuletzt aktualisiert: 12.09.2006Wesel (RPO). In den vergangenen Wochen haben am Niederrhein rund 4000 Schulabgänger eine Lehre begonnen. Die ersten Wochen im Berufsleben – wie war’s? Die RP fragte bei fünf Auszubildenden nach Höhen und Tiefen – und Zielen.
Mit dem Beginn der Lehrzeit beginnt für viele junge Menschen tatsächlich der Ernst des Lebens. Hohe Abbrecherquoten belegen jedes Jahr immer wieder, dass dieser Übergang von der Schule in den Beruf nicht immer einfach ist, Vorstellungen und Träume der Schüler von der Realität weit entfernt sind. Oft hilft ein Praktikum, um den oft zitierten Praxisschock zu verhindern. Wie nützlich Praxiserfahrungen im Vorfeld einer Lehre sind, beweist das Beispiel von Melanie Löhndorf aus Wesel. Sie hat kürzlich im Welcome Hotel Rheinresidenz eine Lehre zur Hotelfachfrau begonnen. „Ich wollte schon immer in der Gastronomie arbeiten“, erzählt sie.
IHK mit Zuwächsen
Im IHK-Bezirk Niederrhein sind in diesem Sommer 1246 Lehrverträge abgeschlossen worden (plus 9 Prozent).
Die Kreishandwerkerschaft mit Sitz in Wesel beklagt dagegen einen Rückgang der geschlossenen Ausbildungsverträge um 53 auf 586 (minus 8,4 Prozent).
Ein Jahr Praktikumserfahrung
Für die Erfüllung ihres Traumes hat Melanie sich mächtig ins Zeug gelegt. Mehr als ein Jahr lang war sie als Praktikantin im Reeser Hotel Rheinpark im Einsatz. Während einer dreiwöchigen Hospitanz lernte sie 2005 das Welcome kennen. „Damals habe ich mitbekommen, dass Aushilfen für die Spülküche gesucht werden. Da habe ich mich beworben und die Stelle bekommen“, erinnert sich Melanie. Auch mit ihrer Bewerbung um eine Lehrstelle hatte die Kolleg-Schülerin Glück. Im Welcome fühlt sie sich pudelwohl. Ihre Erfahrungen mit Kollegen und Gästen sind durchweg positiv. „Natürlich ist die körperliche Arbeit im Roomservice anstrengender als die Sitzerei in der Schule“, sagt die 18-Jährige, der vor allem das „selbstständige Arbeiten besonders gut“ gefällt. Nach ihrer Lehrzeit würde sie gerne für ein Jahr im Ausland oder auf einem Schiff arbeiten. „Und es wäre toll, für einige Jahre nach Berlin zu gehen“, schwelgt sie in Zukunftsträumen. Denkbar, dass sie sich danach auf der Heidelberger Hotelfachschule den letzten Schliff holt. Doch für die selbstbewusste junge Frau steht jetzt erst mal die Ausbildung im Fordergrund. „Und dann mal gucken, was so kommt“.
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