Hamminkeln: Markt-Ende in Brünen
VON MARVIN WOLTERING - zuletzt aktualisiert: 20.09.2008Hamminkeln (RPO). Eine Ära ist vorbei: Anja Schulte-Marxloh öffnet heute zum letzten Mal die Pforten zum Rewe-Markt. Nach 71 Jahren stellt die Familie den nicht mehr lohnenden Verkauf von Lebensmitteln ein – ein Verlust fürs Dorf.
„Mir tut das sehr leid, ihr hattet immer Qualität“, sagt die über 80-jährige Stammkundin und spricht damit wohl den meisten Kunden des Traditionsgeschäftes in Brünen aus dem Herzen. Der Rewe-Markt öffnet heute zum letzten Mal seine Pforten. Nach Geschäftsschluss schließt Familie Schulte-Marxloh für immer ab.
Gudrun Schulte-Marxloh erinnert sich an die Anfänge. Ihre Eltern waren’s, die 1937 damit anfingen, in Brünen Lebensmittel zu verkaufen. „Alles fing mit dem ambulanten Milchverkauf meines Vaters an. Damals hatten meine Eltern noch kein Ladenlokal“, erinnert sich die 69-Jährige, die bis zum letzten Tag im Laden steht und „gerne noch weitergemacht“ hätte.
Stationen
Seit 1937 verkaufen die Schulte-Marxlohs Lebensmittel. 1954 wurde das Geschäft an der Weseler Straße eröffnet. Seit 1965 gehört’s zur Rewe-Kette. 1968 war Umzug an die Hamminkelner Straße.
„Ich bin hier Dauergast“, sagt Kundin Martina Kurka, Hausfrau und Mutter. Die Brünerin kam schon als Kind mit dem Fahrrad zu Rewe. „Ich habe immer den persönlichen Kontakt geschätzt: Man kennt sich und kann immer ein paar Worte miteinander wechseln. An der Ladentheke treffen sich nun mal die Alteingesessenen.“
Im Gleitflug zum Ende
Der für heutige Verhältnisse kleine Laden erwies sich in den letzten Jahren als nicht mehr rentabel. Holger (42) und Anja (39) Schulte-Marxloh, die das Geschäft 1999 übernahmen, entschieden sich im Fühjahr, das Geschäft aufzugeben. Es habe sich seit fünf Jahren immer mehr gezeigt, dass der Markt nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sei, so Anja und Holger Schulte-Marxloh. Die beiden Geschäftsleute haben sich schon 2005 umorientiert und einen Rewe-Markt in Issum übernommen. Das Geschäft dort hat eine mehr als dreimal so große Fläche wie der Rewe-Markt. Die Familie aber bleibt Brünen treu.
Anja Schulte-Marxloh möchte in Zukunft mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Mit den zwölf Mitarbeitern habe man immer über die schwierige Situation gesprochen und die Belegschaft rechtzeitig über die Geschäftsaufgabe informiert. „Das Aus war trotzdem ein Schock, aber wir mussten einsehen, dass es so nicht mehr weitergeht“, stellt Mitarbeiterin Katja Hoppmann nüchtern fest. Die 26-Jährige ist in Brünen geboren und seit neun Jahren an der Hamminkelner Straße beschäftigt. Sie hat dort auch ihre Ausbildung absolviert. Wie es mit dem bald leerstehenden Ladenlokal weitergehen wird, steht noch nicht fest. Man stehe zwar im ständigen Kontakt mit Interessenten, es sei aber noch nichts „Spruchreifes“ dabei, sagt Holger Schulte-Marxloh.
Mit der Schließung des Marktes geht in Brünen nicht nur eine kaufmännische Zeitrechnung zu Ende. Das an Geschäften arme Dorf verliert einen weiteren Ort, wo man sich einfach so trifft und ins Gespräch kommt. Gudrun Schulte-Marxloh bedankt sich sichtlich gerührt bei den Mitarbeitern und ihren treuen Kunden.
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