Wesel: Maut bremst Brummis aus
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 16.12.2008Wesel (RPO). Die Spediteure sind sauer: Mitten in der Finanzkrise, die besonders Kunden aus der Automobilbranche trifft, wird die Autobahnmaut erhöht. Die Weseler Richter-Niederlassung reagiert schon mit Abbau von Resturlaub.
Die Spediteure am Niederrhein sind auf die Bundespolitik nicht gut zu sprechen. Viele fahren für die Automobil- und die Chemie-Industrie. Deren Kränkeln in der aktuellen Finanzkrise hat sich schon negativ im Transportgewerbe bemerkbar gemacht. Jetzt hat Berlin die Erhöhung der Autobahnmaut zum Jahreswechsel beschlossen. Im Durchschnitt von 13,5 auf 16,3 Cent pro Kilometer. Die Mehrkosten müssten die Speditionkunden tragen. Wie man ihnen das aber begreiflich machen soll, ist den Fuhrunternehmen der Region schleierhaft.
Vergleichsweise gut beurteilt noch das Weseler Unternehmen Dümmen die Lage. Es zählt Esco (Solvay) aus Borth zu den Kunden, fährt derzeit ordentlich Auftausalz. Anders sieht es für die Flachglas-produkte aus. Geschäftsführer Christian Dümmen (37) spricht von „spürbaren Einbußen“, weil in der Autobranche nichts mehr los ist. „Wir dachten schon, die Mauterhöhung sei vom Tisch“, sagt Dümmen. „Jetzt müssen wir binnen vier Wochen den Kunden erklären, dass die Preise steigen.“ Diese wollten dann die mautgünstigen Wagen der Abgasnorm Euro V eingesetzt wissen, doch müssten die vielen Euro-III-Wagen noch eine Weile laufen, um wirtschaftlich zu sein. „Wir machen uns Sorgen“, sagt Dümmen. Sein Haus hat 50 Mitarbeiter und einen Bestand von 40 Fahrzeugen.
Verband protestiert
Dr. Rüdiger Ostrowski (NRW-Verband Spedition und Logistik) sieht Widerspruch zwischen Milliarden gegen die Krise und Zusatzkosten für Transport: „Hier geht es wohl nur ums Abkassieren.“
„Froh über jede Tour“
Kunden in der derzeitigen Lage Preiserhöhungen deutlich zu machen, hält Dominik Stadler (26) für schlicht unmöglich. „Es gibt Probleme, Ladungen zu bekommen. Wir selbst bauen auch schon Resturlaub ab“, sagt der Disponent der Weseler Niederlassung der Spedition Richter (Köln). Am Sitz auf dem Fusternberg (Ex-Fenneken) sind 25 Mitarbeiter betroffen. Die 20 Brummis sind im Wesentlichen als Transporter für Flüssigkeiten im Einsatz, bringen unter anderem Fuhren von Bayer zu Byk Chemie. Auch BASF (20 000 Beschäftigte im Zwangsurlaub) gehört zu den Kunden. Richter fährt zudem Öle für die Automobilindustrie. Stadler: „Wir sind froh über jede Tour. Wenn wir jetzt mit einer Erhöhung kommen, zeigt uns der Kunde einen Vogel.“
Spediteur Hans-Werner Kamps (47) aus Hamminkeln wird deutlicher. „Die Maut macht uns den Garaus“, sagt der Mann, der eine Prognose von 40 000 gefährdeten Stellen in 5000 Firmen noch für untertrieben hält. Er selbst hat rund 30 Leute beschäftigt und 20 Brummis der Kategorie 40 Tonnen im Fuhrpark. Gefahren wird alles, aber eben auch Kunststoff- und Gussteile sowie Motorenteile für die Automobilindustrie. Die Ruhephase, so Kamps, sei schon eingetreten. Mit Dumpingpreisen werde gekämpft, und bis Mitte März werde es wohl schlecht laufen. Vom Ruf nach dem Ausmustern älterer Fahrzeuge hält er wenig. Die würden dann nach Afrika oder Russland verkauft und dort die Luft verschmutzen.
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