Hamminkeln: Mehrhooger wollen Sirene nicht
VON DANIEL BRODHUHN - zuletzt aktualisiert: 13.09.2010Hamminkeln (RPO). In Mehrhoog kämpfen Anlieger nicht nur für eine Lärmreduzierung entlang der Betuwe: Rund um die Karlstraße formiert sich Widerstand gegen das Sirenen-Geheul. Jetzt gab's einen Ortstermin mit Rathaus-Vertretern.
Es gibt wohl kaum ein prägnanteres und intensiveres Geräusch, als das Heulen einer Sirene. Im Katastrophenfall besitzen diese damit eine wichtige Aufgabe. Doch wie weit darf die Stadt bei den Sicherheitsmaßnahmen gehen. Und darf Sirenen-Geheul die Lebensqualität der Bürger beeinflussen? Diese Frage stellen sich die Einwohner von Mehrhoog. Dieter Nötzel wohnt in der Karlstraße. Vor rund vier Monaten ist nur wenige Meter von seinem Grundstück entfernt eine Sirene installiert worden. Diese heult aber nicht nur bei drohenden Katastrophen. Um zu testen, ob sie richtig funktioniert und ob alle im Dorf sie hören können, wird die Sirene jeden zweiten Samstag im Monat betätigt. Ohne Ohropax ist die rund zweiminütige Prozedur fast nicht auszuhalten.
Drei Standorte
Im Vorgriff auf den Umzug der Löschgruppe Mehrhoog ins neue Gerätehaus hat der bislang wehrfreie Ortsteil drei Sirenen zugeteilt bekommen: im Industriegebiet Handwerkerstraße, auf dem Gelände des Bürgervereinsheims an der Karlstraße. Die dritte kommt aufs Dach des neuen Gerätehauses.
101 Dezibel gemessen
"Es ist mittlerweile erwiesen, dass es beim Menschen zu Hörschäden kommen kann, wenn er sich in der Nähe einer Sirene aufhält. Es ist nicht zu ertragen und wir Bürger wollen das auch nicht länger hinnehmen", argumentierte Nötzel. Am Samstag hatte der Mehrhooger neben zahlreichen Nachbarn auch die Stadtverwaltung eingeladen. Kämmerin Maria Kischka und Ordnungsamtsleiter Ulrich Arndt sollten sich persönlich von der Intensität der Sirene überzeugen. Pünktlich um 11:15 Uhr hatte diese ihren lautstarken Auftritt. Das Messgerät, das Ulrich Arndt mitgebracht hatte, zeigte 101 Dezibel.
"Wir können das nicht verstehen. Ein paar hundert Meter weiter im Industriegebiet gibt es einen Alternativ-Standort. Früher stand diese Sirene an der alten Grundschule. Da würde das Ding niemanden stören", erklärte Dieter Nötzel. Er hat der Stadt schon in mehreren Schreiben sein Anliegen und auch seine Vorschläge mitgeteilt. "Das nächste Problem ist, dass der Lautsprecher genau auf unsere Häuser ausgerichtet ist", sagte Nötzel, der sich wie die anderen Anwohner um seine Gesundheit sorgt.
Dennis Boehk hat einen kleinen Sohn. An jedem zweiten Samstag im Monat "wirft der Kleine sich um 11.15 Uhr schreiend auf den Boden", berichtete Boehk. "Nicht nur die Kinder leiden darunter. Auch für unsere Hunde, die ja ein noch viel feineres Gehör als Menschen haben, muss es schrecklich sein", vermutete Monika Bauer. Die Stadt-Vertreter zeigten durchaus Verständnis für die Anwohner. "Wir nehmen ihre Anregungen und Vorschläge auf und werden alles noch einmal durchsprechen", versprach Maria Kischka. Auf ihre Nachfrage, mit welcher Sirenenhäufigkeit die Anlieger in Mehrhoog leben könnten, antworteten diese mit "zweimal im Jahr".
Die endgültige Entscheidung trifft der Bürgermeister, der sich am Samstag entschuldigen ließ.
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