Hamminkeln: Mensch und Natur im Gleichschritt
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 05.03.2009Hamminkeln (RPO). Reportage Unterwegs mit der Seniorenunion in der Dingdener Heide: Es ging auch ums Wegenetz, das zu Beginn des Winters einen Sturm des Protestes losgetreten hatte. Vornehmlich Hundehalter fürchten um eingelaufene Gassi-Pfade. Das neu verhandelte Konzept wird nun vorgestellt.
Den Wanderern in der Dingdener Heide wehte gestern morgen ein kräftiger, kühler Wind ins Gesicht. Gut, wer sich darauf eingerichtet hatte. Hans Glader von der Bio-Station, Pate des Landschaftsmuseums, hatte sich eine schwarze Wollmütze tief in den Nacken gezogen, als er gestern eine halbe Hundertschaft ältere Herrschaften anführte, ihnen vor Ort das Konzept fürs Wegenetz vorzustellen, das zu Beginn des Winter eines Sturm des Protestes losgetreten hatte. Vornehmlich Hundehalter fürchten um eingelaufene Gassi-Pfade.
Am Mittwoch, 18. März, nun soll's zur finalen Debatte um das Wegekonzept im "Naturschutzgebiet der Sonderklasse" kommen. Für 19.30 Uhr hat der Naturschutzbund zur Bürgerversammlung in den Saal Hoffmann in Dingden geladen. Dort soll vorgestellt werden, worauf sich Naturschützer und Landwirte nach jahrelangen, zähen Verhandlungen verständigt hatten.
Vor der Haustür
Seit Ende der 80er Jahre hat sich der Naturschutz mit Hilfe des Landes Nordrhein-Westfalen rund 300 Hektar, knapp ein Fünftel der Gesamtfläche, gesichert.
Bis zu zehn Millionen Euro seien dafür aufgewendet worden, so Hans Glader, der hier bekanntlich ein einmaliges Landschaftsmuseum entwickeln möchte. "Dafür haben Sie eine einmalige Landschaft vor der Haustür", sagte der Naturschützer den Frauen und Männern der Seniorenunion.
Die Seniorenunion hatte gestern eigens ihre Mittwochswanderung in die Heide verlegt, um sich an der frischen Märzluft selbst ein möglichst genaues Bild zu machen. Hans-Glader nannte beim Start am Findling am Eingangstor zur Heide sein Ziel: "Die Irritationen und Ungereimtheiten der zurückliegenden Monate ausräumen."
Begründete Positionen
Und los geht's Richtung der Wegegabelung, wo die Klausenhofstraße auf die Asphalt-Trasse Zum Venn trifft. Die Stimmung ist gut. Zwei Walkerinnen, berist auf dem Rückweg, grüßen freundlich. "Kommen Sie doch einfach mit", ruft ihnen der Wanderführer forsch entgegen. "Das mit den Mädels lässt nie nach", ulkt Peter Melling (77), tags zuvor im Amt bestätigter Vorsitzender der CDU-Senioren.
Doch schnell wird's Ernst für Glader. Die Ratsherren Peter Werer, ausgestattet mit einer Konzept-Karte, und Werner Opalka, kommen zur Sache. Schließlich wollen sie den fragenden und fordernden Bürgern mit begründeten Positionen gegenüber treten.
"Absolut nichts gegen Hunde"
Der Naturschützer rammt seine Pflöcke ein. "Ich habe absolut nichts gegen Hunde", sagt Glader mit in der Heide vertrautem Zungenschlag des Kärntners. Aber: "Der Maßstab für die Heide kann nicht der Hund sein, sondern nur die Tiere, die hier weiden." Später erläutert er, dass die Heide-Lerche bereits verschwunden sei. Die Freilauffläche sei keine verträgliche Nachbarschaft für den seltenen Vogel gewesen, so Glader. Der engagierte Naturschutz-Manager erläutert an der Stelle, weshalb gar ein Stück Rundwanderweg, der der Nabu im Anschluss an die Aussichtsplattform auf die Heide einst selbst angelegt hat, ganz dem Wald zugeschlagen werden soll. Eine "Waldweide", wie es sie hier mal gegeben hat, soll in angemesser, zusammenhängender Größe, auskömmlich für eine Herde Hinterwälder, angelegt werden soll.
Erhöhte Aussichtskanzel
Mit Interesse lauschen die Spaziergänger seiner Zukunftsvision, in der von erhöhten Aussichtskanzeln aus der Blick weit reicht über die Schönheiten der Dingdener Heide, wo der Große Brachvogel sich heimisch fühlt und brütet und auch der Mensch sich gern aufhält, als Radler, Spaziergänger und Jogger, als Naturfreund eben. Und Hunde. Vorn läuft einer, zeigt Landwirt Ernst Elsernann in einiger Entfernung. Ein weißer Mischling folgt seinem Herrn – ohne Leine.
Welches Naturschauspiel die Heide bereit hält, hat Hans Glader noch am Sonntag beobachten können. Ein Schwarm Kraniche, weit über 200, hatten hier Rast eingelegt auf ihrem Weg vom Süden zurück in die Brutgebiete. "Herrlich", schwärmt Glader, der die Artenvielfalt als oberstes Gebot hoch hält, die es zu erhalten gibt. Hier liegt die Grenzlinie für Kompromisse mit anderen Freunden der weitläufigen Heide. Und unterwegs gibt's noch einen interessanten Exkurs über den Wert der Birke, die fälscherlichweise als "Unkraut des Waldes" tituliert werde. Auf einem kahlgeschlagenen Eckchen habe die Birke als Erstling Eichen-Pflänzchen den notwendigen Schutz gegeben, so dass daraus inzwischen stattliche Eichen geworden sind. So gedeihlich stellt sich der Naturschutz auch das Miteinander von Mensch und Natur in der Heide vor.
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