Wesel: Missbrauch: viele Widersprüche
zuletzt aktualisiert: 05.11.2009Wesel (RPO). Wesel/Duisburg (anch) Im Prozess um den vergangene Woche begonnenen Weseler Missbrauchsfall wurden gestern die Mutter und die ältere Schwester des Opfers im Duisburger Landgericht als Zeugen gehört.
Wie berichtet, wirft die Staatsanwaltschaft einem 47-jährigen Weseler vor, im Jahr 2005 seine damals 16-jährige Tochter in 30 Fällen missbraucht zu haben. Die heute 20-Jährige tritt als Nebenklägerin auf, war gestern allerdings bei der Verhandlung nicht dabei. Dem Vorsitzenden Richter wurden zwei sehr gegensätzliche Schilderungen der Familiensituation und der Geschehnisse dargelegt.
Während die 24-jährige Tochter des Angeklagten berichtete, dass sie und ihre Schwester ein sehr inniges Verhältnis zum Vater gehabt hätten, berichtete die Jahre zuvor geschiedene Frau von häuslicher Gewalt und übermäßigem Alkoholkonsum des Angeklagten. Die in Süddeutschland lebende Zeugin schilderte dem Gericht zudem eine Begebenheit aus den 90er Jahren. Damals habe ihre 14-jährige Schwester den Angeklagten beschuldigt, sie sexuell missbraucht zu haben. Zu einer Anzeige kam es damals allerdings nicht.
War Geschichte nur ausgedacht?
Zum Eklat in der Familie kam es, als die von dem Weseler getrennt lebende zweite Ehefrau wieder in die gemeinsame Wohnung zurückziehen wollte. Die damals 16-Jährige, die in einem Heim lebte, weigerte sich, nach Hause zurückzukehren, solange die Stiefmutter dort wohne. Einige Tage später sprach das Mädchen gegenüber Mitarbeitern des Jugendamtes über den vermeintlichen Missbrauch. Gegenüber einer bereits verstorbenen Nachbarin, so hieß es, habe angeblich auch die ältere Schwester von Übergriffen durch den Vater gesprochen. In der Verhandlung gestern bestritt die 24-Jährige dies jedoch energisch. Sie unterstellte ihrer jüngeren Schwester, sich eine Geschichte auszudenken, um im Mittelpunkt zu stehen.
Nach der Sitzungspause versuchten auch die Weseler Behörden, allen voran das Jugendamt, vor Gericht weiteres Licht ins Dunkel zu bringen.
Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt.
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