Wesel: Mit dem Rad auf dem Camino
VON INES KLEPKA - zuletzt aktualisiert: 02.05.2009Wesel (RPO). Gestartet: Quer durch Westeuropa radelt Holger Hintzen auf dem Jakobsweg. Mit dabei: Zelt, Glücksstein und der Ehering von Gattin Ulla. Die traditionelle Pilgerstrecke ist für ihn sportliche und spirituelle Herausforderung.
Er ist dann mal weg. Beinahe wie im Mittelalter hat sich Holger Hintzen jetzt auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela: Ganz ohne GPS, sondern allein mit herkömmlichen Straßenkarten ausgerüstet, hat er mit dem Rad die Hansestadt gen Westen verlassen.
2400 Kilometer liegen vor dem passionierten Radfahrer. Sein Weg führt ihn über Geldern, Venlo und Maastricht nach Belgien. "Bis dahin ist das für mich noch ein Heimspiel." Weiter geht es nach Frankreich, wo Reims eine große Station ist, und schließlich nach St-Jean-Pied-de-Port. "Von dort aus sind's noch 800 Kilometer", so der 67-Jährige – einmal quer durch Nordspanien auf dem Camino de Santiago.
Literarische Vorbilder
Hape Kerkelings Bestseller "Ich bin dann mal weg" hat Holger Hintzen noch nicht gelesen.
Ihn inspirierte "Der Jakobsweg" von Bettina Selby. Die Britin schildert, wie sie den Jakobsweg von England bis nach Santiago mit dem Fahrrad bestritt. "Dieses Buch war wirklich faszinierend – es hat mich nicht mehr losgelassen", sagt der Radpilger aus Wesel.
Der Handelsvertreter zeigt sich zuversichtlich, die Strecke zu meistern: "Im letzten Jahr war ich schon bei der Tour de France, da hat auch alles wunderbar geklappt." Wieder vertraut er auf sein bewährtes Treckingrad, beladen mit gut 25 Kilogramm Gepäck.
Flickzeug und Pfefferspray
Mit dabei: Zelt und Luftmatratze, Erste-Hilfe-Paket und Flickzeug, Pfefferspray gegen freilaufende Hunde, Sonnenmilch sowie Gorotex-Kleidung. "Eigentlich bin ich für alle Wetterlagen und Widrigkeiten gewappnet", so Hintzen. "Aber es kann immer was passieren."
Seine ständigen Begleiter: Fahrradhelm und Pulsuhr. "Ich gehe kein Risiko ein." So stand zur Vorbereitung das Training im Winter ebenso auf seinem Programm wie Besuche im Fitness-Studio und der Check beim Arzt.
Unerlässlich auf dem Weg: Der Pilgerpass. "Dafür musste ich ein Empfehlungsschreiben von einem örtlichen Pfarrer an die Jakobsbruderschaft nach Aachen schicken", erklärt Hintzen. Wenige Tage später kam das Schriftstück an, das ihn zur Übernachtung in den Refugien der Klöster auf der Strecke berechtigt. Dabei ist der Jakobsweg nicht nur sportlich, sondern auch spirituell eine Herausforderung: "Ich bin gespannt, was mich erwartet." Verständigungsschwierigkleiten fürchtet er nicht: "Ich kann zwar kein Französisch oder Spanisch, aber zur Not geht es mit Händen und Füßen." 24 Tage, so rechnet der Radfahrer, braucht er mindestens bis nach Santiago. Von dort aus will er noch bis nach Cabo Finisterre ans Meer, bevor es an der Küste entlang zurück geht. Unterwegs, so der Plan, besteigt der Weseler dann den Zug, um sich irgendwo von seiner Frau abholen zu lassen.
Eine Kerze für den Mann
Ulla Hintzen sieht die Tour mit gemischten Gefühlen: "Man macht sich auch Sorgen. Aber seine Kondition ist gut." Den traditionsreichen Glücksstein, neben der Jakobsmuschel unverzichtbar im Gepäck jedes Pilgers des Caminos, hat sie ihm vom Rheinufer aus mit auf den Weg geben. "Morgen zünde ich in der Kapelle des Marien-Hospitals eine Kerze an." Ihren Ehering hat er als Talismann mitgenommen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




