Wesel: Mit Kombi-Klasse zum Erfolg
VON JULIA NAKÖTTER - zuletzt aktualisiert: 01.06.2010Wesel (RPO). Das Berufskolleg Wesel bietet Jugendlichen eine Chance, deren Schullaufbahn bisher nicht reibungslos verlief. Sie können ihren Abschluss nachholen und sich gleichzeitig während eines Praktikums für eine Lehrstelle empfehlen.
Kevin Kuba hat es geschafft. Der 19-Jährige verlässt im Sommer das Berufskolleg Wesel mit einem Realschulabschluss. "Kevin ist einer von den Aufsteigern", sagt Schulleiter Günter Kohls.
Denn als der Hamminkelner vor zwei Jahren den Weg ins Kolleg fand, hatte er zwar die Schulpflicht von zehn Jahren erfüllt, aber keinen Abschluss in der Tasche. "An meiner alten Schule war ich frech und hatte oft Probleme mit den Lehrern", erzählt der 19-Jährige. "Im Berufskolleg konnte ich von vorne anfangen, wurde besser aufgebaut."
Basiswissen und Vertrauen
Kombi-Klasse lautet der Name der Bildungsmaßnahme, die aktuell 44 Jugendlichen neue Perspektiven eröffnet. Während sie zweimal in der Woche die Schulbank drücken, um den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 nachzuholen, absolvieren sie an den drei anderen Tagen ein Praktikum in einem Betrieb.
"Besonders für Jugendliche, die über Jahre nur Misserfolge in Schulen erlebt haben, ist es wichtig, dass sie rauskommen", weiß Lehrer Josef Doedt. Gemeinsam mit Schulsozialarbeiterin Dagmar Krista und zwei weiteren Pädagogen betreut er die Kombi-Klassen.
"Gestartet wird mit einer Klassenfahrt. Wir radeln nach Holland, klettern im Hochseilgarten, gehen paddeln", berichtet Dagmar Krista. Ziel sei es, nicht direkt nach Leistung zu fragen, sondern den Menschen kennenzulernen.
Zudem soll ein vertrauensvoller Umgang zwischen Lehrern und Schülern aufgebaut werden. "Im Unterricht fangen die Schüler in Mathe oder Englisch wieder an der Basis an: Grundrechenarten und einfache Konversationen in einer Fremdsprache." Dies vermittle Sicherheit.
Die Kombination mit dem Praktikum, um das sich die Jugendlichen selbstständig kümmern müssen, sorgt dafür, "dass die Schüler sehen, dass sie Mathe auch praktisch anwenden können", sagt Lehrer Doedt. Weiteres Ziel sei es, nach einem Jahr einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu bekommen.
"Zwei Drittel der Jugendlichen legt den Hauptschulabschluss ab, drei bis vier Schüler pro Klasse bekommen einen Ausbildungsplatz", sagt Rektor Kohls. Daniel Schliwinski aus Hamminkeln ist einer von ihnen. Bei einem Konsolen-Service in Friedrichsfeld lässt sich der 17-Jährige nach den Sommerferien zum Verkäufer ausbilden. "Die Arbeit hat schon während des Praktikums Spaß gemacht. Jetzt mach' ich mein Hobby zum Beruf."
Auch Lisa Wellmann aus Wesel hat ein klares Ziel vor Augen: die 17-Jährige, die früher lustlos den Unterricht in einer Hauptschule besucht hat, will Altenpflegerin werden. "Voraussetzung ist der Realschulabschluss. Den will ich jetzt auch noch schaffen."
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