Kreis Wesel: Moers Festival startet Freitag
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 28.05.2009Kreis Wesel (RPO). Das Zelt im Freizeitpark an der Krefelder Straße steht: Ab Freitag will das 38. Moers Festival vier Tage lang die neue Musik aus dem Grenzbereich von Jazz und Pop ausloten. Einen Schwerpunkt bilden Musiker aus den USA.
Sechs Mal ist Reiner Michalke allein im vergangenen Jahr in die USA gereist: Dort hat der künstlerische Leiter des Moers Festivals Musiker entdeckt, die als herausragende Improvisatoren seit einiger Zeit von sich reden machen. Stellvertretend für die Entwicklungen in der neuen Musik steht das Trio "Zs", das nur auf den ersten Blick wie ein normales Jazz-Trio daher kommt, tatsächlich aber eine physische und mentale Herausforderung fürs Publikum darstellt.
Ebenfalls aus den USA kommt ein Quartett mit dem ungewöhnlichen Namen "Mostly Other People do the Killing": Die Band um Peter Evans habe, so Michalke, einen eigenen Stil entwickelt, mit der Jazz-Geschichte umzugehen. "Und zwar sehr humorvoll", betont der Festival-Chef. Doch nicht nur die jungen Musiker sind im 2500 Besucher fassenden Festival-Zelt zu erleben, sondern auch die Haudegen, die an der Moerser Festival-Geschichte mitgeschrieben haben: "The Trio" – dahinter stecken drei Musiker, die Moers in den vergangenen 30 Jahren mehrfach besucht haben: Muahl Richard Abrams, Roscoe Mitchell und allen voran George Lewis, der zwischen 1977 und 1996 acht Mal in Moers zu Gast war.
Eintrittspreise
Das Moers Festival startet Freitag um 17 Uhr im Freizeitpark an der Krefelder Straße. Das Festival-Ticket kostet an der Tageskasse 85 Euro für Erwachsene und 35 Euro für Jugendliche bis 23 Jahre.
Das Tagesticket kostet 32 Euro für Erwachsene und 16 für Jugendliche.
Eintritt zu den Konzerten in der Evangelischen Stadtkirche, in der Kneipe "Die Röhre" sowie zu den Konzerten im Dunkeln und den Morgen-Sessions ist frei.
22 Solisten und Bands
Das Festival, zu dem etwa 22 Solisten und Bands erwartet werden, stellt aber nicht allein den amerikanischen Jazz in den Mittelpunkt. Reiner Michalke hat Künstler aus Norwegen, Brasilien, Island, erstmals aus den Niederlanden, Südkorea und Japan eingeladen. Das Publikum darf sich sowohl auf Deutschland- als auch auf Europa-Premieren freuen: Erstmal in Deutschland gastiert Eivor Pálsdóttir. Ihre Heimat sind die Faröer Inseln. Ihre Musik liegt zwischen Folk und Pop. Das Besondere: sie singt in ihrer Muttersprache.
Wer sich schon immer gefragt hat, wo Michalke die Künstler fürs Moers Festival findet: Einen guten Tipp bekam er zum Beispiel von Angelika Niescier, erste Moerser Stadtmusikerin. Sie hatte auf einer Konzertreise in Südkorea die Musikerin Soo-Jung Kae kennen gelernt und war völlig begeistert. Soo-Jung Kae hat nicht nur einen Hintergrund als klassische Pianistin, sondern ist in der Musik ihrer Heimat tief verwurzelt. Mit ihrer Formation "Collage" sucht sie laut Reiner Michalke die improvisatorische Freiheit.
Es gibt natürlich auch Musik zum Abtanzen: Für das Spok-Frevo-Orquestra aus Brasilien will der Festival-Chef Stühle aus dem Zelt räumen. Die 18-köpfige Band kommt aus dem Karneval und macht tanzbare Musik. Eröffnet wird das Festival aber von einem, der eher fürs Leise steht: Simon Rummel. Er lebt und arbeitet ein Jahr lang als musikalischer Stadtschreiber in Moers. Neben den Auftritten im Zelt finden rund um die Uhr Veranstaltungen statt – mittags in der Stadtkirche, nachts im Jugendzentrum Bollwerk am Bahnhof.
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