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Wesel: Natur statt Kies im Jahr 2038

VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 10.09.2008

Wesel (RPO). Offensive der Kiesindustrie in Zeiten des Gegenwinds: RMKS lädt zur offenen Tür ins Kieswerk Lipperandsee an der Neuen Hünxer Straße ein. Ungewöhnliches Konzept: Die Firma gestaltet die Lippeaue naturnah um.

Täglich steuern 80 Lkw das Kieswerk im Lippemündungsraum an. Die Transporter liefern das Material hauptsächlich ins Ruhrgebiet.   Foto: RPO
Täglich steuern 80 Lkw das Kieswerk im Lippemündungsraum an. Die Transporter liefern das Material hauptsächlich ins Ruhrgebiet. Foto: RPO

Im südlichsten Zipfel Wesels, im Niemandsland zwischen dem Wesel-Datteln-Kanal und der Lippe, erheben sich gegenüber von Auto Wellmann mächtige Sandhügel. Ein paar hundert Meter weiter östlich hat die Firma Rhein Main Kies und Splitt (RMKS) an der Neuen Hünxer Straße ihr nicht unumstrittenes Kieswerk eröffnet, gegen das Anwohner geklagt hatten. Schon von weitem sind Silos und Förderbänder zu sehen. Voraussichtlich bis zum Jahr 2038 wird RMKS auf dem 56 Hektar großen Areal mit der Kiesgewinnung beschäftigt sein.

Firmensitz nach Wesel verlegt

Danach, und das ist das besondere, entsteht auf dem Gelände der Lipperandsee. Eine naturnahe Wasserfläche, die bedrohten Tieren und Pflanzen nachhaltig ein Zuhause bietet und dann, das ist bereits vertraglich festgelegt, in den Besitz der Biologischen Station übergeht.

Info

80 Lkw täglich

Vor knapp 100 Jahren hatte Thyssen den größten Teil des Areals am Kanal erworben, um dort ein Salzbergwerk zu errichten.

Bodenproben hatten schon damals ergeben, dass der Bereich über große Kies- und Sandvorkommen verfügt.

Das von RMKS gewonnene Material wird täglich von 80 Lkw vor allem ins Ruhrgebiet gebracht, wo es für den Beton- und Straßenbau benötigt wird.

Das Kieswerk ist für jedermann geöffnet – montags bis freitags von 6 bis 17 Uhr.

Kurz bevor am 18. September der Regionalrat in Düsseldorf über die seit langem heiß diskutierten Kies-Reserveflächen entscheidet, geht RMKS in die Offensive und lädt zu einem Tag der offenen Tür ein. Am Samstag, 13. September, 13 bis 17 Uhr, erhalten Besucher einen Einblick in das Kieswerk und das Gesamtkonzept zur Renaturierung des Areals.

Dort befindet sich mittlerweile auch der Sitz der 100-prozentigen Tochter der Thyssen Vermögensverwaltung (13 Mitarbeiter), die vor wenigen Tagen von Mülheim an der Ruhr nach Wesel gezogen ist. „Wir fühlen uns hier wirklich sehr wohl“, schwärmt RMKS-Geschäftsführer Dr. Gerd Hagenguth. Ideal für das Unternehmen ist die Anbindung zur gut fünf Kilometer entfernten A 3. Im RP-Gespräch informierte er über Details des Projekts.

RMKS-Geschäftsführer Dr. Gerd Hagenguth (53) hat den Sitz der Firma von Mülheim an der Ruhr nach Wesel verlegt. „Hier fühlen wir uns richtig wohl“, sagt er. Foto: RPO

Parallel zur Auskiesung wird die Lippeaue renaturiert. „Das erreichen wir unter anderem damit, dass wir in den nächsten zehn Jahren Auenwälder anpflanzen und Wassertümpel anlegen lassen“, erklärt Dr. Hagenguth. 150 000 Euro wird das Unternehmen in diese mit Kreis, Bezirksregierung, Regionalrat und Stadt abgesprochene Maßnahme investieren.

„Wir wollten hier nicht nur Kies und Sand aus der Erde holen, sondern der Stadt auch etwas bieten, wo die Mehrheit sagt, das hat Sinn.“ Hoffnungen von Ausflüglern, den Lipperandsee einmal nutzen zu können, erstickt RMKS im Keim. Denn der 1700 Meter lange und 360 Meter breite See wird, verborgen hinter Bäumen und Büschen, Naturschutzgebiet.

Außerdem dient er als Retentionsfläche, wenn die Lippe über die Ufer treten sollte. „Wir werden zwar Hochwasserereignisse dadurch nicht verhindern können. Aber zusammen mit 30 ähnlichen Projekten entlang der Lippe wird ein Beitrag geleistet zur Verminderung von Überflutungen“, so Dr. Hagenguth.

Quelle: RP

 
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