Wesel: Neuer Anfang in Neuseeland
VON ELKE SIEMUND - zuletzt aktualisiert: 08.03.2007Wesel (RPO). Birte Grüneboom sitzt auf gepackten Koffern. Die Flürenerin knüpfte über einen Au-pair-Aufenthalt Kontakte am anderen Ende der Welt und kehrt Arbeitslosigkeit in Deutschland den Rücken. Ihr Freund Alistair erwartet sie.
Die Inseln der Kiwis
Neuseeland besteht aus zwei Hauptinseln, der Nord- und der Südinsel, sowie zahlreichen kleineren Inseln. Neuseeland wird vielfach als „grüne Insel“ betrachtet, was vor allem an der relativ dünnen Besiedlung und der damit verbundenen Unberührtheit der Natur liegt.
Neuseeland ist der Staat, der am weitesten von Mitteleuropa entfernt ist. Der Kiwi ist das National- und Wappentier, als Spitzname die Eigenbezeichnung der Bewohner Neuseelands. Amtssprachen sind Englisch, Maori und die neuseeländische Gebärdensprache.
Eigentlich begann Birte Grünebooms neue Zukunft schon vor anderthalb Jahren. Nur hatte sie zu diesem Zeitpunkt nicht die leiseste Ahnung, wohin ihr Weg sie führen wird. Jetzt trennen die 25-jährige Erzieherin aus Flüren noch wenige Tage von ihrer neuen Heimat: Neuseeland. Dort warten ihr neuer Freund, ein neuer Job und ein wunderbares Land.
„Neuseeland reizt mich so sehr, dass ich wahrscheinlich auch ohne meinen Freund zurückgegangen wäre. Die Liebe macht es aber wesentlich einfacher. Ich weiß, wo ich hinkomme, und ich weiß, dass wir beide uns aufeinander freuen.“ Birtes Flug ans andere Ende der Welt, über Los Angeles, wird 32 Stunden dauern, mit zwölf Stunden Zeitverschiebung zu Europa. Eine Woche bleibt ihr, um den Jetlag zu verarbeiten. Dann beginnt ihr neues Leben in der Hauptstadt Wellington. Aber warum „zurückgegangen“ ?
„Wenn nicht jetzt, wann dann ?“
„Als ich vor zwei Jahren plötzlich meine Stelle im Kindergarten verlor, brach meine kleine Welt zusammen“, erinnert sich Birte Grüneboom. „Kein Job, keine feste Beziehung, keine eigene Wohnung, da wurde mir klar: der beste Zeitpunkt, um etwas zu verändern. Ich dachte, wenn nicht jetzt, wann dann?“ Für ein Jahr ging Birte nach Neuseeland. Die ersten sechs Monate arbeitete sie als Demi-pair (Au-pair und Sprachschule) in Wellington. Während dieser Zeit verliebte sich Birte nicht nur in die grüne Insel, sondern auch in ihren jetzigen Freund Alistair. Im Anschluss an die Arbeit finanzierte sich die Weselerin mit kleinen Jobs eine Rundreise. „Unter anderem habe ich ,Fruitpicking’ gemacht. Morgens früh um sechs Uhr aufstehen, auf die Leiter steigen und Obst pflücken.“ Einen Teil ihrer Rundreise unternahm sie gemeinsam mit ihrer Familie, die zu Besuch da war. Kaum zurück in Wellington zu ihrem Job im Pub und der neuen WG, hieß es bald Abschied nehmen. In Deutschland erwartete sie erneute Arbeitslosigkeit. Sie schrieb wieder an die Au-pair-Organisation. „Anfang des Jahres ging auf einmal alles ganz schnell. Per E-Mail bekam ich ein Angebot, das ich einfach nicht ausschlagen konnte. Meine damalige Au-pair-Betreuerin wird nun meine Kollegin, und ich werde die Organisation eines neu ins Leben gerufenen High-School-Programms für deutsche Schüler übernehmen.“ Nur wenig Zeit blieb Birte, um das richtige Umzugsunternehmen zu finden, Behördengänge zu erledigen und ihr Jugendzimmer aufzulösen. „Was ich jetzt noch habe und mitnehme, passt in zwei Koffer.“ Der Abschied fällt schwerer als beim ersten Mal, denn dieses Mal weiß Birte nicht, wann sie wieder nach Deutschland kommen wird. Doch da ist auch die Freude: Arbeit, die eigene Wohnung mit dem Freund, das Meer vor der Tür und ein Land, das selbst bei Regen keine schlechte Laune macht. Wer könnte dazu noch nein sagen ?
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