Wesel: Niederrheinische Landpartie
VON MARTHA AGETHEN - zuletzt aktualisiert: 03.05.2008Wesel (RPO). WDR-Musikfest mit lauter klassischen, exquisiten Leckerbissen. Station eins: Clostermanns Kulturscheune in Bislich. Dann ging es am Mai-Feiertag weiter in der Diersfordter Schlosskirche mit Vokalmusik. Das Konzept, aufs flache Land zu gehen, ging auf.
Eine Kutschfahrt ins Grüne, untermalt von Haydns graziös-leichtem Allegro-Moderato aus dem ersten der Londoner Trios? Dies könnte der Beginn einer ländlich-idyllischen Filmszene sein. Am Mai-Feiertag war diese Musik das Tüpfelchen auf dem beim Start der ersten „musikalischen Landpartie“ im Rahmen des WDR-Musikfestes mit lauter klassischen, exquisiten Leckerbissen. Station eins: Clostermanns Apfelplantage in Bislich. Für die lebendige Ausgestaltung zeichneten Stefan Dreizehnter (Flöte), Armin Riffel (Cello) und Christiane Schwarz (Violine) – das Flötentrio der Duisburger Philharmoniker.
Apfelblüten und Strohballen
Kulturnetzwerk
Beide Veranstaltungen wurden in Zusammenarbeit von WDR und Kulturnetzwerk der Herrlichkeit Diersfordt durchgeführt.
Die erste von drei „Niederrheinischen Landpartien“ endete am 1. Mai auf Burg Boetzelaer, Kalkar, mit Barockmusik von „Marais Consort“. Ein Bus wurde eigens gechartet. Sendetermin zu allen drei Konzerten: 15. September um 20.05 Uhr auf WDR 3.
Restlos gefüllt war die mit Apfelblüten und Strohballen geschmackvoll dekorierte Kulturscheune. Das Programm der Matinée mit seiner erlesenen Vielfalt fügte sich bestens ins Motto des Tages: luftig, heiter, beschwingt. Das Flötentrio konzertierte stets in ausgezeichneter Balance und begeisterte durch die lebendige Ausgestaltung und die lebhafte Musizierfreude. Das Andante im Londoner Trio war ein mit Wärme ausgemalter Melodienbogen, das Vivace brachte mitreißende, humorvolle Assoziationen an den Frühling zum Blühen. Vergnüglich verfolgten die Hörer danach Villa-Lobos‘ exotische Musik rund um technische Extravaganzen der Flöte, diesmal im Duett mit dem Cello: heiß vom Cello inszeniert, mit schrillen Flötenpfiffen beantwortet, transparent und energiegeladen, mal nur windig, mal ganz melodisch daherkommend. Begeisternd die wunderbar weiten melodischen Bögen, federleicht und neckisch in die Höhe schleudernde Oktaven bis zum letzten tonlosen Pfiff: „Jet whistle“ – ein Flugzeugstart. Ein wahrhaft toll eingespieltes Team mit dem gleichen unglaublichen Elan und hoher Musikalität.
Viele weitere Titel korrespondierten bestens mit dem Idyll, die „Villanellen“ (Bauernmädchen) von Siegfried Borris mit lockerem Streicher-Pizzicato und tändelnd tanzender Flötenstimme – toll phrasiert. Später das sinnlich von der Flöte ausgekostete weit emotionalere Trio C-Dur von Johann Christian Bach. Zum Schluss, besonders begeistert beklatscht, die Musik von Franz Danzi. Klanglich reizvoll, malerisch und romantisch, liedhaft bisweilen und ganz unerwartet ins wilde galoppierende Finale mündend. Ein interessanter, relativ unbekannter Komponist, den da Stefan Dreizehnter wieder einmal fürs Publikum entdeckt hatte.
„Gewisse Picknickstimmung“
Schließlich fand man sich an festlich gedeckter Tafel zusammen. Gastgeberin Thea Clostermann verwies mit dem Stichwort „agricultura“ auf die Verbindung von Landwirtschaft und Kultur. Auch Intendant Dr. Alfred Wendel (Duisburger Philharmoniker) freute sich: „Unser Konzept, den Niederrhein ins WDR-Musikfest mit einzubeziehen, ist wunderbar aufgegangen: ein kleines Festival auf Herrenhäusern mit einer gewissen Picknickstimmung.“
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