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Schermbeck: Ohne Lambsdorff keine USWG

VON GERD HEIMING - zuletzt aktualisiert: 19.11.2008

Schermbeck (RPO). Die Unabhängige Schermbecker Wählergemeinschaft besteht 20 Jahre. Gegründet wurde die USWG von ehemaligen FDP-Vorstandsmitgliedern. Die waren aus Protest zurückgetreten, weil die Liberalen Otto Graf Lambsdorff zum Ehrenvorsitzenden machen wollten.

Info

Feier am 1. Dezember

Die USWG feiert ihr 20-jähriges Bestehen am Montag, 1. Dezember, ab 19.30 Uhr in der Gaststätte Nappenfeld. Dort werden auch die Ratskandidaten benannt. Von einem Bürgermeister-Bewerber ist in der Einladung nicht die Rede.

USWG-Vorsitzende ist Nora Neuhaus. Ihr Mann Norbert kandidierte 2004 für den Top-Job im Rathaus. Inzwischen wohnt das Ehepaar in Dorsten.

Die USWG hat einen prominenten „Geburtshelfer“: Otto Graf Lambsdorff. Freilich übernahm der FDP-Politiker diese Rolle nicht aus freien Stücken, sondern weil er Stein des Anstoßes war.

Aus Ärger darüber, dass der 1987 wegen eines Steuerdelikts verurteilte Lambsdorff Ehrenmitglied der Liberalen werden sollte (was er inzwischen ist), verließ der Schermbecker FDP-Vorstand geschlossen die Partei. Darüber berichtete sogar das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Der Ärger der Liberalen, die in einem Brief an Lambsdorff vergeblich an dessen Vorbildfunktion appellierten, war produktiv.

Start bei Overkämping

Der „harte Kern“ und weitere Schermbecker trafen sich vor 20 Jahren, am 1. Dezember 1988, in der Gaststätte Overkämping mit dem Ziel, die politische Landschaft im Ort um eine unabhängige Gruppierung zu bereichern. Zu den „FDP-Rebellen“ gehörten die damalige Vorsitzende Brigitte Straus und weitere Vorstandsmitglieder: Marlies Rütter, Klaus Wasmuth, Winfried Kalwar und Hermann Stricker, Ratsmitglied und Urgestein der Schermbecker Freidemokraten.

Die Name USWG für Unabhängige Schermbecker Wählergemeinschaft sei im „Brainstorming“ entstanden, erinnert sich Brigitte Straus. Sie wurde bei der Wahl des ersten USWG-Vorstandes am 15. Dezember 1988 zur Vorsitzenden gewählt. Kurt Prost, Marlies Rütter, Nora Neuhaus, Ilka Consten, Winfried Kalwar und Hermann Stricker komplettierten das Team an der Spitze. „Wir wollten nach unserem Austritt aus der FDP weiterhin Kommunalpolitik für Schermbeck machen, aber nicht fremdbestimmt sein“, berichtet Brigitte Straus.

Bei der Kommunalwahl 1989 trat die USWG erstmals an. Sie erfand Wahlplakate mit auswechselbaren Sprechblasen, sammelte Unterstützungs-Unterschriften von alten FDP-Sympathisanten (überwiegend Landwirte) und hatte – das vor allem – ein Hauptthema: den Neubau des Rathauses. Die Wählergemeinschaft warb für einen Anbau an das alte Rathaus und argumentierte, das wäre fast zwei Millionen Mark billiger als ein Neubau, außerdem bleibe das historische Ortsbild unversehrt und die Festwiese an der Weseler Straße erhalten.

Ihre Meinung verbreitete die USWG auf einem Faltblatt, den ein munterer Vogel ziert – Ilka Consten hat ihn gemalt, und er ziert bis heute Schriftstücke der Unabhängigen. 1989 wusste die USWG offenbar zu überzeugen und schaffte aus dem Stand 14,5 Prozent. „Damit hatte keiner gerechnet“, sagt Brigitte Straus. Auch die Wählergemeinschaft nicht, die mit einer Zehn vor dem Komma geliebäugelt hatte. Fünf Mitglieder schickte die USWG in den Rat: Marlies Rütter (sie übernahm den Fraktionsvorsitz), Renate Kruska, Ilka Consten, Winfried Kalwar und Kurt Prost.

Weil keiner allein regieren konnte, traf die USWG eine Vereinbarung mit der SPD, kein neues Rathaus zu bauen. Was daraus geworden ist, ist heute zu besichtigen.

Die Wählergemeinschaft hat sich längst etabliert. Die Zahl ihrer Mitglieder ist von anfangs 18 auf rund 40 gestiegen. Die USWG stellt derzeit vier Ratsmitglieder. Es waren allerdings schon mal ein paar mehr.

„Derzeit fehlen die besonderen Themen, da ist es für eine kleine Gruppierung ziemlich schwer, nach außen wirksam zu werden“, sagt Brigitte Straus. Sie selbst holte 1999 als Bürgermeister-Kandidatin über 20 Prozent und übernahm in jenem Jahr den Vorsitz der Fraktion, den sie 2005 wieder abgab an Winfried Kalwar. Straus tat das damals aus Altersgründen.

Vogel als Maskottchen

Inzwischen ist sie 63 und denkt nicht daran, sich untreu zu werden und Rufen nachzugeben, wieder für die USWG ins Rennen zu gehen. „Für die politische Arbeit braucht man Leute zwischen Ende 30 und Ende 40, die noch Zukunft gestalten wollen“, sagt sie.

Gesucht werden Menschen, die sich uneigennützig einsetzen und konstruktiv mitarbeiten möchten. Das stand auf einem der ersten USWG-Infoblätter und gilt bis heute. Ebenso wie das Zitat des Vogel-Maskottchens von damals: „Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen.“ Das könnte auch das Motto von Graf Lambsdorff sein.

Quelle: RP

 
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