Wesel: Pioniere der Integration
VON MARTHA AGETHEN - zuletzt aktualisiert: 23.06.2010Wesel (RPO). Mit einem großen Fest in der Tagesstätte am Kartäuserweg erinnert die Lebenshilfe Unterer Niederrhein am Freitag ab 14 Uhr an die Gründung des ersten Weseler Sonderkindergartens 1965. Vieles hat sich seither geändert.
Neues Logo
Das stilisierte Logo der Lebenshilfe spiegelt die veränderte Einstellung zum behinderten Menschen nach 45 Jahren wider: kein Erwachsener mehr, der das behinderte Kind beschützend vor sich herschiebt, sondern ein Kind im geschützten, aber offenen Rahmen.
Eins der großen Anliegen der letzten Jahrzehnte ist die Integration behinderter Menschen. Besonders vorurteilsfrei gehen die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft mit ihren behinderten Altersgenossen um. Ihnen stellt sich die Frage nach so genannter "Normalität" nicht.
Vorreiter in punkto Integration war 1965 die Lebenshilfe Unterer Niederrhein mit Wesels erstem Sonderkindergarten, der vor genau 45 Jahren eröffnet wurde. Die heutige Einrichtung am Kartäuserweg feiert das 45-jährige Bestehen mit einem großen Fest am Freitag, 25. Juni, ab 14 Uhr. Zu der Feier sind nicht nur alle ehemaligen Schützlinge und deren Eltern eingeladen, sondern auch die Kinder aus der Lebenshilfe-Kita Kiek in den Busch in Obrighoven.
Im Provisorium fing alles an
Vieles hat sich in dieser Zeit getan. Zunächst hatte es in Wesel nur im Flüchtlingsdurchgangslager an der Gerhart-Hauptmann-Straße unter Leitung von Heilpädagogin Anneliese Lueger ein vorläufiges, provisorisches Domizil in zwei benachbarten Wohnungen gegeben. Initiiert war die Maßnahme damals von Dr. Leo Pünnel, selbst Vater von behinderten Zwillingen. Längst hat sich die Einrichtung gewandelt zur Integrativen Heilpädagogischen Kindertagesstätte und ist angesiedelt im ansprechend bunten Gebäude am Kartäuser Weg.
"Durch unsere Integrationsarbeit ist ein wesentlich offenerer Umgang möglich geworden. Als wir anfingen, herrschte Skepsis aus Unwissenheit", sagt Leiterin Claudia Wingerath. "Diese Kinder waren ja früher nie zu sehen." Selbst Eltern von behinderten Kindern hätten gezögert, ihren Schützling in fremde Hände zu geben. Heute genieße die Einrichtung allseits den besten Ruf, so Wingerath. Das Angebot ist breit, Fachkräfte wie Heilpädagogin, Motopädin und Sprachtherapeutin tragen dem Therapiebedarf Rechnung. Enge Kontakte wurden zu SBZ, Frühförderstelle und Praxen geknüpft.
Neben zwei integrativen Gruppen mit je zehn Regelkindern und fünf mit Förderbedarf gibt es zwei rein heilpädagogisch orientierte Gruppen mit Platz für je acht Kinder. Therapeuten und Behindertenplätze zahlt der Landschaftsverband, die übrigen fördern Jugendamt, Lebenshilfe und Eltern über den normalen Unkostenbeitrag. Stets haben sich integrative Gruppen der Lebenshilfe wie Malertruppe und Gartengruppe am Kartäuserweg engagiert.
Zirkus und viele Spiele locken
Dies wird auch beim bunten Jubiläumsprogramm am Freitag so sein: die Rock-Band "Die Fudies" und der Zirkus "Schnick Schnack" mit Feuer- und Seifenblasen-Spielen sind beteiligt. Als Highlight erwartet die Jüngsten eine Runde auf dem Pferd beim therapeutischen Reiten. Weiter locken Bimmelbahn, Luftballonwettbewerb, Schminkstand und Töpferspiele.
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